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Wohnkosten lassen selbst Mittelschicht-Familien kaum noch Luft
12. Oktober 2018

Wohnkosten lassen selbst Mittelschicht-Familien kaum noch Luft

Wie hoch sind die Wohnkosten für Mittelschicht-Familien? Das hat das Immobilienportal Immowelt für die 14 größten deutschen Städte untersucht. Demnach müssen Mittelschicht-Familien im Schnitt mittlerweile bis zu knapp der Hälfte ihres Einkommen allein für das Wohnen ausgeben.


Die Mieten in Deutschlands Großstädten steigen weiter an. Nicht nur einkommensschwache Haushalte, sondern vor allem auch junge Familien mit Kindern aus der Mittelschicht haben derzeit Probleme, bezahlbare Wohnungen in Ballungsgebieten zu finden. Das zeigt eine Analyse von immowelt.de, für die in 14 Städten berechnet wurde, welchen Anteil ihres Einkommens Familien aus der Mittelschicht für die Warmmiete aufwenden müssen.

München klarer Spitzenreiter

Klarer Spitzenreiter bei dieser Quote ist München. In der bayrischen Landeshauptstadt liegen die Wohnkosten bei 45%. Familien mit mittlerem Einkommen müssen somit fast die Hälfte ihrer Einkünfte von im Schnitt 4.242 Euro (netto) für die Warmmiete (1.907 Euro) ausgeben. Angesichts dieser hohen Quote bleibt Paaren mit zwei Kindern häufig nur die Wohnungswahl am preiswerteren Stadtrand oder im Umland. Die zentralen Lagen von München dürften für viele Durchschnittsverdiener längst zu hochpreisig sein.

Frankfurt und Berlin auf Platz 2

Die traditionell teure Bankenstadt Frankfurt und Berlin folgen mit einer Wohnkostenquote für Mittelschicht-Familien von jeweils 39 Prozent auf dem zweiten Platz. Zwar liegt Frankfurt mit 4.122 Euro beim Gesamteinkommen deutlich vor Berlin (3.559 Euro). Allerdings ist in der Mainmetropole das Mietniveau mit 1.607 Euro Warmmiete höher als in der Bundeshauptstadt mit 1.387 Euro.

Dresdner Wohnquote höher als in Stuttgart

Mit Dresden liegt eine ostdeutsche Stadt auf dem geteilten Rang 4. Familien mit mittlerem Einkommen müssen dort 32% ihres monatlichen Budgets von 3.444 Euro für das Wohnen ausgeben. Die Quote in Dresden ist damit so hoch wie in Nürnberg und um einen Prozentpunkt höher als in Stuttgart mit 31%. Die Landeshauptstadt Baden-Württembergs schlägt bei den mittleren Einkommen mit 4.249 Euro sogar knapp München. Die Warmmieten für eine familientaugliche Wohnung betragen in Stuttgart 1.327 Euro. Das ergibt Platz 5 im Vergleich.

Dortmund und Essen am günstigsten

Das beste Verhältnis von Warmmiete und Einkommen aller deutschen Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern bieten Dortmund und Essen mit je 22%. In Dortmund kostet eine Wohnung zwischen 80 und 120m2 817 Euro, das mittlere Netto-Einkommen einer Familie beläuft sich dort auf 3.646 Euro. In Essen sind die Mieten mit 847 Euro zwar etwas teurer, doch dafür sind die Einkommen der Modellfamilie mit 3.775 Euro ein wenig besser als in Dortmund.

Berechnungsgrundlage

Für die Analyse von Immowelt wurde das Durchschnittsgehalt für die jeweilige Stadt zugrunde gelegt (Median des Einkommens am Wohnort) und mit 150% pro Paar veranschlagt (ein Partner arbeitet demnach Vollzeit, der andere in 50%-Teilzeit). Hinzugerechnet wurde die Zahlung von Kindergeld für zwei Kinder. Dieses Einkommen entspreche dem, was gemeinhin als Mittelschicht angesehen wird. Aus dem Verhältnis von Gesamteinkommen sowie Miet- und Nebenkosten der jeweiligen Stadt für eine familientaugliche Wohnung zwischen 80 und 120m2 ergibt sich schließlich die sogenannte Wohnkostenquote. (mh)



Kommentare

von Klaus Noethen am 16.10.2018 um 09:59 Uhr
Ich finde es immer wieder sehr bedenklich, wenn statistische Werte isoliert und ohne ergänzende Informationen zum Besten gegeben werden. Wäre hier nicht auch noch interessant, wie die Mietpreise im nahen Umland sind. Es können und es wollen auch nicht alle Familien mit Kindern in München-City wohnen. Sicherlich muss Wohnraum für alle bezahlbar und verfügbar sein. Aber es müssen nicht alle Wohnraum in den Großstädten finden. Wenn ich in Köln wohne und fahre nur ca. 15 km raus aus der City, dann sind die Mietpreise um 30 bis 50 % günstiger.



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