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Vier Strategien für ein schnelles Ende der Wohnungsnot in Deutschland
23. Oktober 2017

Vier Strategien für ein schnelles Ende der Wohnungsnot in Deutschland

Die Wohnungsgesellschaft LEG hat beim Institut der deutschen Wirtschaft eine Studie zum Thema „Ideen für eine bessere Wohnungspolitik“ in Auftrag gegeben. Das Institut hat darin Konzepte gegen die Wohnungsnot in deutschen Großstädten entwickelt. Mit nur vier Strategien lassen sich demnach zügig mehrere Millionen zusätzliche Wohnungen schaffen.


Wohnungsmangel und steigende Mieten werden in vielen Metropolen ein immer größeres Problem. Um die Diskussion über notwendige Veränderungen voranzutreiben, hat LEG beim IW Köln die Studie „Ideen für eine bessere Wohnungspolitik“ in Auftrag gegeben. Die bisherigen Konzepte der Politik wie Mietpreisbremse und soziale Wohnraumförderung taugen der Studie nur wenig. Wohnungsnot und Mietenexplosion in deutschen Großstädten könnten sie nicht stoppen. Das aktuelle Gutachten attestiert den bisherigen Instrumenten der Wohnungspolitik eine viel zu geringe Wirksamkeit und insgesamt eher eine Verzerrung des Marktes.

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Lösungsquartett

Damit sich die Wohnsituation vor allem für Geringverdiener rasch entspannt, brauche es vor allem vier neue Lösungsansätze: intelligentere Nutzung des bestehenden Wohnraums, Attraktivitätssteigerung von schrumpfenden Städten, Erhöhung des Wohngelds und Kauf von Belegungsrechten für sozial schwache Mieter. „Bei der Lösung der akuten Wohnungsnot liegen noch viele Potenziale brach“, sagt Studienleiter Professor Michael Voigtländer vom IW Köln. Um diese Potenziale zu heben, fordert der Volkswirtschaftler in der Studie eine bessere Verzahnung von Bund, Ländern und Gemeinden sowie eine stärkere Kooperation der Städte mit den privaten Wohnungsunternehmen: „Schließlich profitieren auch beide Seiten von einer besseren Wohnungsmarktversorgung.“

1. Wohnraum effizienter nutzen

Allein über den Ausbau von Dachgeschossen können dem IW Köln zufolge rund eine Million zusätzliche Wohnungen geschaffen werden. Weitere etwa vier Millionen Wohnungen in städtischen Räumen würden vermutlich mindergenutzt. Sie bieten zum Beispiel Potenzial für Untervermietungen oder Einliegerwohnungen. Darüber hinaus wohnen laut dem Institut rund 1,3 Millionen Mieterhaushalte in sehr großen Wohnungen. Das betreffe vor allem Rentner, für die ein Umzug in kleinere Wohnungen relevant sein könnte. Diese Potenziale zu heben sei zwar nicht einfach. Es lohne sich aber für Städte sie durch Beratungen, maßvolle finanzielle Anreize und Kreativität zu heben.

2. Neues Wohngeld

Zusätzlich könnte eine Erhöhung des Wohngelds vielen Haushalten unmittelbar helfen. Im Gegensatz zur sozialen Wohnraumförderung sei das Wohngeld treffsicher und es gibt einen Rechtsanspruch. Ein Grundproblem sei aber, dass das Wohngeld nur etwa alle sieben Jahre angepasst wird, wodurch viele Menschen aus der Förderung fallen, obwohl Unterstützungsbedarf besteht. Die Forscher fordern daher, das Wohngeld wie die Grundsicherung dynamisch anzupassen.

3. Kauf von Belegungsrechten

Als dritte Strategie empfiehlt das IW Köln den Kauf von Belegungsrechten durch Gemeinden deutlich auszuweiten. Belegungsrechte sichern Haushalten, die Probleme haben einen Mietvertrag abzuschließen, den Zugang zum Wohnungsmarkt. Bislang werden Belegungsrechte überwiegend durch den Bau von neuen Sozialwohnungen geschaffen, was aber teuer und wenig treffsicher ist. Besser ist es nach Ansicht der Forscher, Belegungsrechte im Bestand zu kaufen. Der Erfolg dieses Modells hänge aber wesentlich von der Ausgestaltung der Belegungsrechte und den entsprechenden Auktionen ab.

4. Neue Konzepte für Umland und ÖPNV

Vielfach, gerade aber in Nordrhein-Westfalen, liegen wachsende und schrumpfende Städte nah beieinander. Auch hierin liege ungenutztes Potenzial. Durch eine bessere Verkehrsverbindung (ÖPNV) und eine Attraktivierung des Wohnumfelds in schrumpfenden Städten könnten Ausweichquartiere für zahlreiche Menschen geschaffen werden. Dies sollte durch finanzielle Anreize verstärkt werden. Auf diese Weise könnten zugleich Großstädte entlastet werden und strukturschwache Städte eine neue Perspektive erhalten.

Wohnungsgesellschaften gefragt

Die LEG sieht sich selbst mit in der Verantwortung. „Um die akuten Wohnungsengpässe in Ballungsräumen zu bekämpfen, nützt kein ,Weiter so’“, erklärt CEO Thomas Hegel. Die Wohnungsgesellschaft hat deshalb in den vergangenen Jahren mehrere Konzepte vorgelegt, die den Vorschlägen des Gutachtens entsprechen. Dazu gehöre das Pilotprojekt „Wohnen für Generationen“, das den Wohnungstausch von Senioren und Familien innerhalb desselben Wohnquartiers ermöglicht und damit individuelle Wohnbedürfnisse ganz ohne Neubau befriedigen kann. Außerdem kaufte und modernisierte die LEG in letzter Zeit vermehrt Wohnungen in Speckgürteln und Mittelstädten Nordrhein-Westfalens, wodurch sich die Lage in den Metropolen entspannen und die Attraktivität kleinerer Städte steigen soll. Auch für die im Gutachten empfohlene Ausgabe von Belegungsrechten an sozial schwache Mieter zeigt sich die LEG offen, „solange es faire Regelungen mit den Städten gibt“, so Hegel. (mh)





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