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So reagiert die Immobilienbranche auf die Bundestagswahl
25. September 2017

So reagiert die Immobilienbranche auf die Bundestagswahl

AfD-Beben, GroKo-Schock, historische Klatsche – so oder so ähnlich lauten die Schlagzeilen nach der Bundestagswahl 2017. Doch nicht nur die großen Medien, sondern auch die Immobilienbranche hat bereits erste Statements zum Wahlausgang abgegeben. ImmoCompact fasst sie zusammen.


Die Parteien der Großen Koalition haben am Wahlsonntag deutliche Verluste verbuchte. Die SPD kündigte noch bei den ersten Prognosen an, sich in die Opposition zurückzuziehen. Wahrscheinlichstes Bündnis ist nun eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen. Dr. Esfandiar Khorrami, Rechtsantwalt und Partner bei Bottermann Khorrami LLP könnte mit einer solchen Konstellation leben. „Von den beiden möglichen Optionen zur Regierungsbildung, große Koalition oder Jamaika-Bündnis, präferieren wir die Dreier-Koalition. Damit ist aller Voraussicht nach eine Verschärfung der Mietpreisbremse ausgeschlossen, gegen die sich CDU und FDP aussprechen“, so Khorrami.

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Überregulierung beenden

Khorrami hofft zudem, dass sich die FDP in den Koalitionsverhandlungen mit ihrer Forderung durchsetzt, einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer in Höhe von 500.000 Euro beim ersten Immobilienerwerb einzuführen. Damit werd die Mittelschicht beim Wohnungserwerb wirksam unterstützt, die derzeit zu hohe Nebenkosten zahlen müsse. „Des Weiteren hoffe ich, dass sich die FDP mit ihrer Forderung, nach einer Lockerung bei der Wohnimmobilienkreditrichtlinie durchsetzt“, ergänzt Khorrami. Die deutsche Umsetzung gehe deutlich über die EU-Vorgaben hinaus und sei damit ein typischer Fall von Überregulierung. Eine pragmatischere Handhabung sei daher dringend geboten.

Hoffen auf Union und FDP

Auch Kruno Crepulja, CEO der Instone Real Estate Group, rechnet mit einer Jamaik-Koalition. „Wir hoffen, dass sich die CDU/CSU und FDP mit ihren eher pragmatischen Ansätzen durchsetzen können. Bündnis 90/Die Grünen sprachen bisher meist von starken Regulierungen, was aus unserer Sicht nicht zielführend ist“, sagt Crepulja. Wie auch die Mehrheit der Immobilieninvestoren sieht auch der Instone-CEO in Bauland den Hauptschlüssel zu mehr bezahlbarem Wohnraum. „Unabhängig davon, ob die Mietpreisbremse verschärft wird oder sich die Abschreibungsmöglichkeiten erhöhen: Die Immobilienwirtschaft benötigt in erster Linie Zugang zu Bauland und bundesweit einheitliche Regulierungen.“ Je mehr Wohnangebot die freie Wirtschaft schaffe, umso eher entspanne sich die Nachfragesituation. Genau das werde aber an vielen Stellen erschwert. Auch die Schaffung von Wohnraum durch Nachverdichtung in den Innenstädten solle vereinfacht werden. „Wenn es kaum noch frei Grundstücke gibt, müssen wir andere Wege finden. Daher hoffen wir mit der neuen Bundesregierung auf eine Verschlankung der Normen und Gesetze sowie auf die Reduzierung der Bürokratie.“

Markteingriffe mit Augenmaß umsetzen

Antoinette Hiebeler-Hasner, Partnerin bei Vistra, zufolge kann die Immobilienwirtschaft mit Jamaika wie auch mit einer unwahrscheinlichen Großen Koalition gut leben. „Auch wenn sich viele Branchenakteure sicherlich mehr über einen Wahlsieg von schwarz-gelb gefreut hätten“, so Hiebeler-Hasner. Im Falle einer Jamaika-Koalition müssten eine Reihe von Fragen neu ausgehandelt werden. „In vielen strittigen Fragen wie Grunderwerbsteuer, Finanzmarktregulierung oder Mietpreisbremse liegen die Positionen der Parteien auseinander. CDU / CSU und FDP stehen für eher liberalere Positionen, die SPD und Bündnis 90/Die Grünen tendenziell für mehr Regulierung.“ Das Ergebnis werde bei vielen Fragen ein Kompromiss sein. Hiebeler-Hasner gehe aber davon aus, dass eine schwarz-gelb-grüne Regierung weitere Markteingriffe mit Augenmaß umsetzen und keine unnötigen bürokratischen Hürden schaffen wird.

Aufgaben mit Elan angehen

Thomas Schneider, CIO von BrickVest, hofft derweil, dass eine neue Regierungskoalition die offen gebliebenen Fragen mit Elan angeht. Dazu zähle auch die Regulierung des Crowdinvesting-Marktes, der zuletzt durch die erste Insolvenz eines Projektentwicklers für Aufsehen sorgte. „Wir brauchen keine unnötige Bürokratie, aber wir brauchen dringend klare, regulatorische Regeln, die mit der dynamischen Entwicklung dieses Marktsegments Schritt halten und das notwendige Maß an Professionalität sicherstellen.“ Anderenfalls drohe ein Vertrauensverlust, sodass die erheblichen Potenziale, die dieser Mark für alle Beteiligten biete, ungenutzt bleiben könnten.

ZIA fordert schnellen Immobiliengipfel

Der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss fordert ebenfalls eine schnelle Regierungsbildung und Wiederaufnahme der Arbeit. „Die Wähler in Deutschland haben gestern weitgehend gegen Regulierung entschieden. Nun dürfen wir uns nicht lange damit aufhalten, die Ergebnisse zu deuten“, erklärt ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner. Die Immobilienwirtschaft sei wie auch alle anderen Wirtschaftssektoren auf eine schnelle Rückkehr in den politischen Alltag angewiesen „Unsere Branche muss große Herausforderungen meistern. Bezahlbares Wohnen und Bauen, die Energiewende im Gebäudesektor, der digitale Wandel unserer Branche. Politischer Stillstand ist gerade vor diesem Hintergrund der falsche Weg.“ Insgesamt solle die künftige Bundesregierung sollte bei Immobilienpolitik auf neue Anreize für Investitionen in Neubau und Bestand setzen – und sich mit der Branche zusammensetzen. „Wir müssen uns alle an einen Tisch setzen und die richtigen Rahmenbedingungen erarbeiten. Wir brauchen einen Immobiliengipfel mit der Bundesregierung“, sagt Mattner. (mh)





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