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So reagiert die Immobilienbranche auf den Wohngipfel
25. September 2018

So reagiert die Immobilienbranche auf den Wohngipfel

Der Wohnungsgipfel der Bundesregierung sorgte am Wochenende für reichlich Aufsehen. Zahlreiche Branchenvertreter haben sich mittlerweile zu Wort gemeldet. Das Echo fällt dabei meist kritisch aus. ImmoCompact fasst die Branchenstimmen zum Wohngipfel zusammen.


Schnelles Handeln erforderlich

„In der Sache hat der Wohngipfel wenig Neues gebracht“, vermisst auch Lukas Siebenkotten, Bundesdirektor des DMB, nach dem Wohngipfel konkrete Maßnahmen. Angesichts der aktuellen Wohnungsnöte von hunderttausenden Mietern sei schnelles Handeln erforderlich. Es müssten jetzt schnell konkrete Maßnahmen getroffen werden, die insbesondere in den Städten den Wohnungsneubau für einkommensschwächere Haushalte und Normalverdiener ankurbeln.

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Baukindergeld wohnungspolitisch unsinnig

Die Bundesregierung setze aber fälschlicherweise auf das Baukindergeld. „Das Baukindergeld ist wohnungspolitisch unsinnig. Es führt zu Mitnahmeeffekten in ländlichen Regionen und reizt in Städten allenfalls den Kauf von Eigentumswohnungen an“, meint Siebenkotten. Neue und vor allem neue bezahlbare Wohnungen würden dadurch nicht entstehen. Sonderabschreibungen für den Mietwohnungsneubau würden derweil nur Sinn ergeben, wenn die begünstigten Bauherren sich gleichzeitig verpflichten, bestimmte Mietobergrenzen nicht zu überschreiten. „Ohne Mietobergrenzen wird das Ziel, Wohnungen im mittleren Preissegment zu bauen, nicht erreicht“, so Siebenkotten.

Wenige Anreize, viele Verbote

Auch der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss hält die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung verbesserungswürdig. „Neben Ankündigungen, die bereits im Koalitionsvertrag angekündigt und zum Teil bereits umgesetzt wurden, hat sich die Bundesregierung leider wieder einmal auf Verbote und Eingriffe unter anderem in das Mietrecht konzentriert“, so Dr. Andreas Mattner. „Wirkliche Anreize wie die Novellierung einer Musterbauordnung, Unterstützung der Kommunen bei Planungs- und Genehmigungsverfahren und eine Erleichterung der hohen Auflagen an das Bauen bleiben zu unkonkret.“ Zudem erhofft sich der ZIA eine schnelle Einführung der Sonderabschreibung der energetischen Gebäudesanierung, die ebenfalls im Koalitionsvertrag angekündigt wurde und bislang weiter fehlt.

Markteingriff mit fataler Wirkung

Der ZIA kritisiert zudem erneute Eingriffe – wie etwa die Erweiterung des Betrachtungszeitraums zur Berechnung der ortsüblichen Vergleichsmiete von vier auf sechs Jahre. „Es ist schwer verständlich, dass die Koalitionäre einerseits Anreize für das Bauen ankündigen und andererseits den Mietspiegel manipulieren wollen“, erklärt Mattner. Ein solcher Markteingriff hätte eine fatale Wirkung besonders in den angespannten Wohnungsmärkten und wirke sich auch auf die Bewertung sämtlicher Mietwohnungen und deren Finanzierung aus. Letztlich treffe das die gesamte Volkswirtschaft sowie Sparanlagen vieler Deutscher, die direkt oder indirekt in Wohnimmobilien investiert sind.

Grundsteuer

Dass die Koalition die Grundsteuer aufkommensneutral gestalten will, begrüßt Mattner hingegen. Er fordert aber auch hier ein konsequentes Handeln. „Wir nehmen die Bundesregierung beim Wort und begrüßen diese Ankündigung“, erklärt Mattner. Zugleich verweist der ZIA-Experte darauf, dass 14 von 16 Bundesländern die Grunderwerbsteuer-Sätze seit 2007 von ursprünglich 3,5 auf bis zu 6,5% erhöht haben und sich das Aufkommen aus der Steuer auf einem Rekordhoch befindet. Auch das verteuert das Bauen in Deutschland naturgemäß. An diese Baustelle wagt sich die Bundesregierung allerdings nach wie vor überhaupt nicht. (mh)

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