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Sind die Mieten in Deutschland wirklich zu hoch?
07. September 2018

Sind die Mieten in Deutschland wirklich zu hoch?

Abzocker, Miethaie oder auch Geldgeier: Vermieter in Deutschland müssen sich derzeit viele Vorwürfe gefallen lassen. Eine Umfrage unter deutschen Mietern zeichnet hingegen ein anderes Bild. Demnach beurteilt die Mehrheit der Mieter ihre Miete als angemessen. Auch mit den Leistungen des Vermieters sind sie überwiegend zufrieden.


58% aller Mieter in Deutschland beurteilen die Höhe ihrer Miete als angemessen. 11 Prozent schätzen sie sogar als gering oder sehr gering ein. Das ergab der Servicemonitor Wohnen 2018, eine repräsentative Umfrage des unabhängigen Beratungsunternehmens Analyse & Konzepte. Für die Studie wurden 1.000 Mieterhaushalte in ganz Deutschland befragt. Besonders gut schneiden in der Umfrage die städtischen und kommunalen Wohnungsunternehmen ab. Nur 19% ihrer Mieter empfinden dort die Miete als hoch oder viel zu hoch. Etwas ungünstiger werden die Mieten der privaten Wohnungsunternehmen beurteilt. Doch auch hier schätzt eine Mehrheit von 55% der Befragten die Miete als angemessen, gering oder sehr gering ein.

Regionale Unterschiede

Neben den Unterschieden zwischen den Vermietertypen gibt es auch einen räumlichen Einfluss auf die Beurteilung der Miethöhe. So ist etwa der Anteil derer, die ihre Miete als hoch oder viel zu hoch empfinden, in Hamburg und Berlin überdurchschnittlich. „Die Diskussion um die Mietpreisbremse und steigende Mieten in vielen Städten haben die Menschen für das Thema sensibilisiert“, erklärt Bettina Harms, die Geschäftsführerin von Analyse & Konzepte. „Wir stellen fest, dass die Mieter ihre eigenen Wohnkosten vor dem Hintergrund des örtlichen Wohnungsmarktes sehr gut einschätzen können.“

Mieter werden kritischer

Auch nach der Zufriedenheit mit den Leistungen des Vermieters fragte der Servicemonitor Wohnen. Jeder dritte deutsche Mieter ist demnach mit den Leistungen seines Vermieters sehr zufrieden, 36% sind zufrieden. Allerdings ist der Anteil derer, die vollkommen zufrieden sind, seit 2008 zum ersten Mal gesunken. Er liegt aktuell bei 18%. Vor allem die Kritik an den Leistungen von Verwaltungsgesellschaften und privaten Wohnungsunternehmen hat zugenommen. Privaten Einzelvermietern gelingt es der Umfrage zufolge dagegen nach wie vor sehr gut, ihre Mieter zufriedenzustellen.

Diese Aufgaben sind Mietern besonders wichtig

Unter den Vermieterleistungen beurteilen 67% der Befragten die zuverlässige Instandhaltung des Wohnungsbestands als sehr wichtig. Eine noch größere Rolle spielen der professionelle Umgang mit Beschwerden und die Verbindlichkeit von Zusagen. Diese Aspekte finden 68% der Mieter sehr wichtig. Allerdings ist nur etwas mehr als die Hälfte der Mieter in dieser Hinsicht mit den Leistungen ihres Vermieters vollkommen oder sehr zufrieden.

Nachfrage kann oft nicht befriedigt werden

„Das kritischere Urteil im Vergleich zu den vergangenen Jahren muss vor dem Hintergrund vielfach angespannter Wohnungsmärkte gesehen werden“, kommentiert Bettina Harms. „Während in vielen anderen Branchen die Wettbewerbssituation zu einer Weiterentwicklung des Kundenservice führt, sieht sich die Wohnungswirtschaft vielerorts einer Nachfrage gegenüber, die sie nicht befriedigen kann.“ Gleichzeitig würden Umstrukturierungsmaßnahmen und Neubauvorhaben viele Kapazitäten in den Unternehmen binden. (mh)



Kommentare

von Klaus Noethen am 11.09.2018 um 11:50 Uhr
Wenn ein Investor eine Immobilie als Renditeobjekt erwerben möchte, dann sollte er eine Bruttorendite von ca. 5 % erzielen. Ansonsten macht diese Investition regelmäßig wenig Sinn. In den Ballungsgebieten wird er lange suchen müssen, bis er eine solche Immobilie findet. Die Miethöhe aus Sicht eines Investors ist sicherlich nicht zu hoch. Mietpreisbremse oder Mietpreisstop bewirken sicherlich nicht, dass mehr Wohnungen geschaffen werden. Eher dürfte das Gegenteil zu erwarten sein. Mit anderen Worten. Die Maßnahmen der Politik beweriken genau das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll. Um das zu sehen, brauche ich noch nicht einmal Betriebswirtschaft zu studieren.

Klaus Nöthen, Dipl.-Kfm./ Dipl.-Verww., zertifizierter Sachverständiger für Immobilienbewertung



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