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Rendite darf nicht über die Mieter gestellt werden
06. November 2018

Rendite darf nicht über die Mieter gestellt werden

In Zeiten steigender Mieten werden immer mehr Gering- und Normalverdiener aus den Innenstädten verdrängt. Viele müssen dann in Wohnungen ziehen, die dezentraler, kleiner und häufig genug auch weniger komfortabel sind. Im schlimmsten Fall sind die Zustände unhaltbar. Ein Kommentar von Ulrich Jehle von der REA Beteiligungs GmbH.


Einer der Hauptgründe für diese Entwicklung ist, dass die lange Zeit extrem niedrigen Zinsen im Euroraum in- und ausländische Investoren in den deutschen Immobilienmarkt lockten, der als sicher und lukrativ gilt. Einigen dieser Akteure geht es dabei nicht allein darum, ihr Geld sicher anzulegen. Stattdessen missbrauchen sie ihr Eigentum häufig als Gelddruckmaschine und spekulieren auf maximale Rendite. Sie modernisieren dabei entweder maßgeblich für die Mietsteigerung oder hören auf, marode Wohnungen weiter instand zu setzen, um Kosten zu sparen.

Es entsteht somit nicht nur eine Schere, was die Wohnpreise betrifft, sondern auch beim Komfort. Im Ergebnis haben wir somit einerseits viele Mieter, die sich zwar eine schöne, aber für sie kaum bezahlbare Wohnungen leisten. Andererseits haben wir zahlreiche Mieter, deren Budget einfach nicht reicht, und die deshalb weit unter ihren Ansprüchen wohnen – teilweise in heruntergekommenen Wohnungen, weil dringend erforderliche Instandsetzungsmaßnahmen am Gebäude aus Kostengründen nicht mehr durchgeführt werden.

Günstiger Wohnraum muss nicht schlecht sein

Um diese Zustände zu beenden, dürfen die Rechte der Mieter nicht länger den Profitinteressen der Investoren geopfert werden. Eine Möglichkeit, um die Interessen von Mietern und Investoren auszugleichen, hat die Politik bisher leider übersehen: Die gezielte Förderung von Vermietern, die dauerhaft günstigen Wohnraum für die breite Mittelschicht anbieten können, weil sich ihre Wohnraumbestände in weniger zentralen Lagen befinden und einer normalen Objektpflege unterliegen.

Im Mittelpunkt steht dabei die zielgerichtete Sanierung und Optimierung von Bestandsimmobilien, durch die beide Seiten – Mieter wie Investoren – profitieren. Auf der einen Seite kommen Mieter darüber in den Genuss von günstigen Mieten, lokalen Hausverwaltungen und einem engagierten Asset Management, das langfristig die Wohn- und Gebäudequalität sowie das Mietklima verbessert. Andererseits verringert der somit erzeugte Mehrwert der Immobilien die Leerstände und die Fluktuation, sodass stabile Mieteinnahmen erwirtschaftet werden können. Für die Investoren macht sich das wiederum in Form von solider Rendite bemerkbar. Gleichzeitig tragen sie mit ihrem Investment zur Schaffung von ansprechendem Wohn- und Lebensraum für sozial schwächer gestellte Menschen bei, anstatt sich auf ihre Kosten zu bereichern.


<h5>Ulrich Jehle</h5>
Ulrich Jehle




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