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Nebenkostenabrechnung: Mieter dürfen Daten der Nachbarn einsehen
08. Juni 2018

Nebenkostenabrechnung: Mieter dürfen Daten der Nachbarn einsehen

Die Nebenkosten sind eines der häufigsten Streitthemen zwischen Mieter und Vermieter. Ist die Nebenkostenabrechnung nicht plausibel, dürfen Mieter Einsicht in die Verbrauchsdaten der Nachbarn verlangen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) geurteilt.


Alle Jahre wieder sorgt die Nebenkostenabrechnung für Unstimmigkeiten zwischen Mietern und Vermietern in Deutschland. Viele Fälle landen am Ende vor Gericht. Ein Fall ging nun sogar bis vor den BGH. In diesem sollte der Mieter einer 94m2 großen Wohnung mehr als 5.000 Euro nachzahlen. Dieser Betrag schien dem Mieter nicht plausibel zu sein. Die Summe entspreche nicht im Geringsten dem Anteil an der Wohnflächenverteilung in dem Mehrparteienhaus mit einer Gesamtfläche von insgesamt 720m2 Wohnfläche.

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Einsicht angemessen und erforderlich

Der legte daher Einspruch gegen die Nebenkostenabrechnung ein und forderte Einsicht in die Ablesebelege der anderen Einheiten des Hauses. Die Eigentümerin verweigerte dies allerdings und klagte die Nachzahlung vor Gericht ein, nachdem der Mieter diese verweigerte. Der BGH hat sich entgegen der Vorinstanzen auf die Seite des Mieters gestellt. Dass ein Mieter Anspruch darauf hat, die vollständigen eigenen Belege der Nebenkostenabrechnung einzusehen, ist den Richtern zufolge nicht nur gängige Praxis. Die Einsicht in die einzelnen Verbrauchsdaten der anderen Nutzer eines Mietshauses kann demnach angemessen und erforderlich sein.

Beweislast liegt beim Vermieter

Zur sachgerechten Überprüfung der Nebenkostenabrechnung oder zur Vorbereitung etwaiger Einwendungen ist nach Auffassung des BGH die Einsichtnahme in die Abrechnungsunterlagen anderer Nutzer erforderlich. Im Falle einer Nachforderung von Betriebskosten, liege die Darlegungs- und Beweislast beim Vermieter. Er müsse die erhobene Forderung richtig erfassen und die angefallenen Betriebskosten richtig auf die einzelnen Mieter verteilen. (mh)

BGH, Urteil vom 07.02.2018, Az. VIII ZR 189/17





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