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Kommt das Bestellerprinzip nun auch beim Immobilienkauf?
14. August 2018

Kommt das Bestellerprinzip nun auch beim Immobilienkauf?

Kommt bald das Bestellerprinzip auch beim Kauf bzw. Verkauf von Immobilien? Bundesjustizministerin Katarina Barley hat sich nun offen dafür ausgesprochen – und bekommt dafür Unterstützung von den Grünen. In der Immobilienbranche sorgt der Vorstoß dagegen für Kopfschütteln.


Seit mittlerweile gut drei Jahren ist das Bestellerprinzip bei der Vermittlung von Mietwohnungen in Kraft. Von vielen Marktteilnehmern war bereits damals eine Diskussion um eine Ausbreitung auf Kaufgeschäfte erwartet worden. Nun hat die Diskussion auf Bundespolitik wieder mächtig Fahrt aufgenommen. „Wir prüfen aktuell, ob sich das Bestellerprinzip auch auf Immobilienverkäufe übertragen lässt“, erklärt Bundesjustizministerin Katarina Barley gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Entlastung der Käufer

Durch eine solche Maßnahme sollen Immobilienkäufer entlastet werden. Die Einführung dieses Bestellerprinzips sei bereits ein wichtiger Schritt gewesen, um Mieter spürbar zu entlasten. Faktisch steigen die Mieten aber in den Metropolen trotz Bestellerprinzip und Mietpreisbremse ungehindert weiter.

Grüne Unterstützung

Bei den Grünen stößt Barley mit ihrer Forderung auf offene Ohren. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt unterstellt der Bundesregierung einen „Makler-Kuschelkurs“. Sie fordert, dass die Maklergebühren müssen von denjenigen gezahlt werden, die eine Immobilie verkaufen, und nicht von den Käufern. Die Grünen haben daher auch im Bundestag einen neuen Antrag gestellt, das Bestellerprinzip auch auf den Immobilienerwerb auszuweiten.

Verkäufer preisen Kosten ein

Dem Bauherren-Schutzbund stoßen die Pläne hingegen sauer auf. „Das Vorhaben birgt die Gefahr, dass Immobilienverkäufer die Maklerkosten einpreisen. Dadurch würden sie am Ende weiterhin indirekt vom Käufer getragen werden“, mahnt Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund e.V. Gerade bei der aktuellen Marktlage, die vielerorts von den Anbietern bestimmt werde, könnten Verkäufer die Maklergebühr leicht auf die Erwerbskosten aufschlagen. Ähnlich sieht das Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbands IVD: „Das Bestellerprinzip würde Immobilienkäufer nicht entlasten, sondern im Gegenteil stärker belasten. Der Verkäufer würde die Maklerprovision auf den Kaufpreis aufschlagen."

Senkung der Grunderwerbsteuer sinnvoller

Das Vorhaben, die Kaufnebenkosten zu reduzieren, begrüßt Florian Becker jedoch grundsätzlich, sofern vor allem die privaten Bauherren und Wohnungskäufer im Mittelpunkt von Fördermaßnahmen stehen. „Insbesondere eine Senkung der Grunderwerbsteuer kann ein wirksamer Hebel sein, der alle Verbraucher bei der Eigenheimbildung zugutekommt“, meint Becker. (mh)



Kommentare

von Christian Müller am 16.08.2018 um 08:15 Uhr
Für mich ist es ganz klar eine versteckte Grunderwerbsteuererhöhung. Die Verkäufer werden die Kosten auf den KP schlagen, dadurch erhöht sich der KP und somit auch der Grunderwerbsteuerbetrag der zu zahlen ist. Nichts mit Entlastung, genau das Gegenteil wird sich einstellen. Auch die Notare werden sich dann freuen.
Makler und Notare arbeiten wenigstens noch für ihr Geld, unsere Regierung kassiert aber nur und das jedes mal wenn die Immobilie verkauft wird. Es sollte mal über eine Grundverkaufssteuer diskutiert werden. Wenn man seine Immobilie verkauft bekommt man die Steuern zurück.

von Roland F.W. Manke am 16.08.2018 um 08:15 Uhr
Man ist immer wieder erstaunt mit wenig, gerade auch wirtschaftlicher Allgemeinbildung es Leute in hohe politische Positionen schaffen…

Grundsätzlich ist jedoch an der Übernahme des Bestellerprinzips nichts einzuwenden, vereinfacht es zumindest für mich doch auch die Provisionsabrechnungen dahingehend, dass dann eben nur ein provsionspflichtiger Auftraggeber existiert und ich mich dann nur sehr selten auch über abenteuerliche Ansichten aber auch Urteile nicht nur weltfremder Juristen wundern muss.

Völlig daneben ist die Ansicht, dass der Immobilienerwerb hierdurch günstiger wird; kein Verkäufer, egal ob gewerblich oder privat wird diese Zahlung dann nicht einpreisen; mal abgesehen davon, dass Grunderbsteuer und Notarkosten hierdurch weiter nach oben getrieben werden. Aber das ist halt das kleine Einmaleins der Wirtschaft; wird halt in Waldorfschulen und Anderen nicht Unterrichtet…


Roland Manke, Hotelkaufmann u. Dipl. - Betriebswirt
zert. Fachmakler für Hotelimmobilien, zert. Wirtschaftsmediator
an der Handelskammer Hamburg
Dänischenhagener Str. 13 D- 24229 Strande
Telefon (+49) 0 4349 - 913113 Telefax (+49) 0 4349 - 913442

info@manke.de http://www.manke.de

von Franziska Link am 20.08.2018 um 14:32 Uhr
Wenn Sie das "unechte "Bestellerrpinzip" das derzeit existiert so übernehmen wollen werden Sie wohl bald schließen müssen. Sie können keinen Bestand halten usw...

von Jens Aldekamp am 16.08.2018 um 08:52 Uhr
Unglaublich, was da aktuell diskutiert wird. Es wird wie bei einem schleudernden Auto das Lenkrad wild hin und her gerissen, weil niemand zu wissen scheint, wie man kontrolliert gegenlenkt.

Was soll denn noch alles reguliert werden? Viele Makler haben sich nach Einführung des Bestellerprinzips aus dem Vermietungsgeschäft zurück gezogen. An der Preisentwicklung nach oben hat das Bestellerprinzip dort überhaupt rein gar nichts geändert. Warum erwarten die Politiker, soll sich das im Verkaufsgeschäft plötzlich ändern? Es ist Marktwirtschaft (und das nicht nur heute), die Preise die ein Verkäufer erzielen kann, wird er auch nehmen.

Der vom Käufer zu zahlende Grunderwerbsteuer-Betrag wird höher ausfallen, weil die Maklerprovision im Kaufpreis enthalten sein wird. Das wird zu einer Akzeptanz eines höheren Kaufpreises pro pro Quadratmeter führen, egal ob ein Makler (Fachmann) beteiligt ist oder nicht.

Auch werden viele Verkäufer den Verkauf selbst in die Hand nehmen, was qualitativ meist kein Vorteil für Käufer bedeutet und auch preislich in Zeiten eines Verkäufermarktes nichts Gutes bedeutet. Ein Makler kann regulierend auf zu hohe Vorstellungen eines Verkäufers eingehen.

Was noch? Ach ja, Arbeitsplätze wird das kosten, da bin ich mir sicher. Ich habe von einer geplanten Deckelung der Provision bei 2 % gelesen. Das wäre ja ein Preisdiktat. Dann werden gute Makler an (der Qualität) Ihrer Leistung sparen müssen. Wenn ich überlege, was wir alles rund um den Verkauf machen - für den Verkäufer aber vor allem auch für den Käufer... - wieviel Geld wir für Immobilienportale und Services in die Hand nehmen.

Warum will der Staat so tief in eine Branche eingreifen? Regulierung von oben wäre Programm für sozialen, bezahlbaren Wohnungsraum. Das würde das Preisniveau entlasten. Baukindergeld ist schön und gut, trägt dazu aber eher nicht bei. Setzt diesem ganzen Modernisierungswahnsinn mit Kostenabwälzung auf Mieter einen kontrollierten Riegel vor. Ökologie ist wichtig, aber viele Eigentümer führen vom Kosten-Nutzen-Verhältnis oft umstrittene Maßnahmen aus und danach wird die Miete entsprechend angehoben. Das sind Dinge wo man staatlich sinnvoll eingreifen und gesamtwirtschaftlich regulieren kann.

Erst muss man schauen wohin das Auto ausbricht um dann zu sehen wohin man gegenlenken kann. Hört auf am Lenkrad wild hin und her zu reißen.

In guter Hoffnung

Jens Aldekamp
GERAL-IMMOBILIEN
www.geral-immobilien.de

von Wolfgang Bertol... am 16.08.2018 um 09:28 Uhr
Im kaufmännischen Rechnungswesen lernen wir, dass es Kosten für Vermarktung und Vertrieb gibt. So auch beim Verkauf einer Immobilie.

Warum denken Frau Barlay und die Grünen in aller erster Linie an die, die einen Großteil der Arbeit machen und vorab hohe Risiken eingehen, indem sie Geld für die Vermarktung investieren, das sie erst dann zurück bekommen, wenn der Verkaufserfolg eingetreten ist?

Warum reduziert man nicht den Notar?
Warum nicht die Grunderwerbssteuer?
Warum nicht die Kosten für die Grundbucheintragung?
Für die Vermessung?

Vielleicht macht Frau Barlay einen Vorschlag, dass die Portale, auf denen Immobilien angeboten werden, ihre Preise um 50% senken müssen?
Und überhaupt die Höhe der Zinsen für den Kredit, die könnten wir auch gleich nochmal halbieren!

Mit Kopfschütteln wünsche ich eine schöne Restwoche.

Wolfgang Bertol
Diplomkaufmann
B.I.M. Bertol Immobilien Management e.K.
www.team-bim.de

von Klaus Noethen am 16.08.2018 um 12:18 Uhr
Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Das wird auch das sog. Bestellerprinzip nichts ändern. Was sich aber sicherlich ändern wird ist, dass der Käufer nicht mehr Kunde des Maklers ist, so dass der Makler vertragliche Verpflichtungen nur noch gegenüber dem Auftraggeber (Besteller?) hat. Das dürfte dem Käufer aber in der Praxis nur Nachteile bringen. Eigentlich wissen wir doch alle, dass die Politik nur einen Sündenbock für ihre verfehlte Wohnungspolitik sucht. Überall wo der Staat kassieren kann, werden die Gebühren erhöht und diese Kosten werden nicht in Frage gestellt. Das Spielchen der Politik wiederholt sich immer wieder in allen Bereichen und leider funktioniert diese Masche auch. Schade.

von Jan Lanc am 17.08.2018 um 10:16 Uhr
Das ist genauso eine gute Idee wie die Mietpreisbremse, die hat bekanntlich nichts genutzt. Hier werden die Verkäufer die Provisionen für den Makler eben auf den KP drauf schlagen und niemanden ist geholfen.

von Franziska Link am 20.08.2018 um 14:41 Uhr
Liebe Kollegen, was Sie alle übersehen : Das "unechte Bestellerprinzip" das derzeit bei Vermietungen gilt soll eins zu eins umgelegt werden auf Verkauf. Wenn die Makler nicht endlich darauf hindrängen das derzeit geltende Gesetz in ein Marktwirtschaftlich echtes Bestellerprinzip zu wandeln wird es für 90 Prozent der Makler bald ein böses erwachen geben...

von Thomas Seibold am 21.08.2018 um 17:06 Uhr
"Auf Stimmenfang von der eigenen Unfähigkeit und den Mißstimungen in der Republik ablenken" könnte hier auch die Überschrift sein.
In allen Produkten werden Vertriebskosten und Steuern eingepreist, nur der Immobilienmarkt legt alle Kosten offen und wird dafür ständig angeprangert. Werden Liegenschaften nun ohne Außenprovision verkauft wird es für den Käufer richtig teuer. Ein Beispiel:
Kaufpreis 500.000€ + 3,57% Außenprov. (17.850€) + 3,5% Grunderwerbsteuer(17.500 €) + 1,5% Notar und Grundbucheintrag (7.500€) = 542.850,00 €

Kaufpreis 517.850€ + 3,5% Grunderwerbsteuer(18.124,75€) + 1,5% Notar und Grundbucheintrag(7.767,75€)
= 543.742,50 € -Innen- und Außenprovision im Kaufpreis enthalten-.

Dazu kommt noch, dass auf die in der Provision/Vertriebskosten enthaltene Umsatzsteuer dann auch noch die Grunderwerbsteuer aufgeschlagen wird! Der Käufer zahlt also auf die Steuer noch mal Steuer. Geniale Idee.
Wie schon hier beschrieben, wird dann der Verkäufer zum alleinigen Vertragspartner (Vertragsrecht), für den Käufer echt unsympathisch und von Verbraucherschutz somit definitiv keine Spur mehr. Viele Grüße an die SPD, die darauf vertraut, dass der Bürger nicht rechnen kann. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als der Eigenheimerwerb von der Grundsteuer befreit war, doch das ist ja Ländersache!
Wer darauf vertraut, dass Bestandsimmobilien dann "von Privat" verkauft werden und somit günstiger zu haben sind ist völlig der Realität entrückt. Marktregularien werden dann noch weniger funktionieren, es herrscht Nachfragemarkt wegen völlig vernachlässigter Wohnungsbaupolitik der Vergangenheit! Eigenheimförderung und degessive AfA waren sehr gute staatliche Förderungen die ersatzlos gestrichen wurden. Ich habe so das Gefühl, dass mit allen Mitteln versucht wird die Eigenheimquote in der Republik nicht weiter steigen zu lassen.

Thomas Seibold
Kaufmann der Grundstück- und Wohnungswirtschaft
Fachwirt für Gebäudemanangement



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