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Klimaschutz zu niedrigen Kosten für Mieter und Vermieter
14. Juli 2017

Klimaschutz zu niedrigen Kosten für Mieter und Vermieter

Kostengünstige, technische Maßnahmen zur Wärmeeinsparung werden noch zu selten genutzt. Ein Unternehmensbündnis will das ändern und hat daher ein umfassendes Forschungsprojekt gestartet, das deutschlandweit über 500 Mehrfamilienhäuser umfasst.


Sobald Menschen mit kalten Temperaturen zu kämpfen haben, steigt der Verbrauch von Heizwärme. Die Folge ist neben höheren Energiekosten auch eine schlechtere CO2-Bilanz der Wohnimmobilien. Dabei lautet das klare politische Ziel, den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß für Heizung und Warmwasser deutlich zu senken – und zwar unabhängig von der Witterung.

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Kostenintensives Ziel

Bis jetzt ist dieses Ziel vor allem kostenintensiv, denn es wird seit vielen Jahren vor allem mit aufwendigen Baumaßnahmen verfolgt. Dazu gehören die intensive Dämmung von Gebäudefassaden und -dächern und der Einbau moderner Fenster. Kostengünstigere, technische Maßnahmen an der Heizungsanlage oder den Heizkörpern und ihrer Steuerung kommen deutlich seltener zum Einsatz – auch weil die aktuelle Rechtslage sie nicht gleichberechtigt behandelt.

Umfassender Maßnahmenkatalog nötig

Weil Vermieter die Kosten für sich und ihre Mieter in Grenzen halten wollen, sind viele Häuser darum noch nicht so energieeffizient, wie es für die Energiewende eigentlich notwendig wäre. Immobilienbesitzer und Bauherren müssen, so die Überzeugung des Bündnisses „Allianz für einen klimaneutralen Wohngebäudebestand“ aus zwölf Unternehmen, Verbänden und Forschungsunternehmen, zukünftig aus einem deutlich umfassenderen Maßnahmenkatalog wählen können, als es der aktuelle rechtliche Rahmen fördert.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts untersucht das Bündnis verschiedene, vor allem kostengünstige Technologien in Mehrfamilienhäusern, unter anderem in Frankfurt am Main, Dortmund, Köln, Mönchengladbach, Bielefeld und Kiel.

Forschungsprojekt zu Kosten-Nutzen-Effekt

Das Forschungsprojekt der Allianz umfasst deutschlandweit über 500 Mehrfamilienhäuser, in denen verschiedene Technologien auf ihre Einspareffekte hin untersucht werden. Dazu gehören:

  • Der sogenannte hydraulische Abgleich. Dabei wird der Druck in den Rohrleitungen, die das warme Wasser zu den Heizkörpern bringen, so eingestellt, dass alle Räume optimal erwärmt werden, die Heizungsanlage aber gleichzeitig möglichst wenig Wärme erzeugen muss.
  • Programmierbare oder per App fernsteuerbare Heizkörperthermostate, mit denen die Bewohner ohne Mehraufwand die Heizkörper so einstellen können, dass sie dann heizen, wenn die Wohnung auch wirklich warm sein muss.
  • Einrichtungen, die eine tägliche Kontrolle ihres aktuellen Wärmeverbrauchs ermöglichen, zum Beispiel über Displays in der Wohnung oder über eine App.
  • Assistenzsysteme, die den Bewohnern den richtigen Zeitpunkt zum Lüften nennen und auch signalisieren, wann die Fenster wieder geschlossen werden müssen.

„Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Maßnahmen gemessen an der getätigten Investition besonders hohe Einspareffekte bringen“, meint Professor Dr.-Ing. Viktor Grinewitschus von der Professor für Energiefragen der Immobilienwirtschaft an der EBZ Business School – University of Applied Sciences. Neben den genannten Maßnahmen sind auch eine Datenanalyse bereits durchgeführter Sanierungsmaßnahmen und eine Studie zu Möglichkeiten der Effizienzsteigerung von Heizkesseln Teil des Forschungsunternehmens.

Mehr kostengünstige technische Maßnahmen nutzen

Noch mehr Energieeffizienz bei Wohngebäuden ohne Überbelastung von Vermietern und Mietern geht nur, wenn Bauherren und Immobilieneigentümer auf einen kosteneffizienten, technologieoffenen Maßnahmenmix zurückgreifen können. Daher müssen von der Politik die Maßnahmen adressiert werden, die den besten Kosten-Nutzen-Effekt bringen. Die Verbesserung der baulichen Hülle, der Austausch des Wärmeerzeugers und Maßnahmen zur Verbesserung des Wärmeverteilsystems und des Nutzerverhaltens müssten darum gleichberechtigt nebeneinander stehen. (sw)





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