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Keine Anzeichen für eine Spekulation mit Baugenehmigungen
13. Oktober 2017

Keine Anzeichen für eine Spekulation mit Baugenehmigungen

Wird auf dem Berliner Immobilienmarkt verstärkt mit Baugenehmigungen spekuliert? Das hat empirica im Auftrag von BPD Immobilienentwicklung analysiert. Das Fazit lautet eindeutig: Nein. Jede zweite genehmigte Neubau-Geschosswohnung befindet sich demnach bereits am Ende des Genehmigungsjahres im Bau.


Der Anteil der Genehmigungen für den Neubau von Geschosswohnungen (ohne Wohnheime) in Berlin, die jeweils am Ende des Genehmigungsjahres bereits im Bau waren, liegt bei rund 50%. Bei weiteren 30% der genehmigten Geschosswohnungen wird im Folgejahr mit dem Bau begonnen und bei 10% im darauffolgenden Jahr. Das zeigt eine aktuelle empirica-Studie. Diese Abfolge ist den Studienautoren zufolge seit Anfang des Jahrzehnts für alle Genehmigungsjahrgänge praktisch unverändert.

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Keine zunehmende Spekulation

Hintergrund der Studie sind Befürchtungen, dass angesichts der starken Zunahme der Wohnungsbaugenehmigungen für Geschosswohnungen bei gleichzeitig verhaltenerem Anstieg der Baufertigstellungen bei vielen Baugenehmigungen keine echte Bauabsicht besteht. Die Baugenehmigungen würden stattdessen nur mit spekulativer Absicht erwirkt, wodurch sich der dringend benötige Neubau von Wohnungen verzögere. Die Untersuchung zeigt nun, dass sich für eine Zunahme der Baugenehmigungen mit ausschließlicher Spekulationsabsicht keine Anzeichen finden lassen. Die zunehmende Diskrepanz zwischen Baugenehmigungen und Baufertigstellungen ist vielmehr eine einfache Folge der Bauzeit.

Keine Verlängerung der Bauzeiten

Auch für eine Verlängerung der Bauzeiten lassen sich der Studie zufolge keine Anzeichen finden. Zwei bis drei Jahre nach Baugenehmigung sind demnach rund 50% fertiggestellt und 25% unter Dach. Diese Anteile waren in den letzten Jahren ebenfalls konstant, wenn überhaupt lässt sich am aktuellen Datenrand möglicherweise sogar eine Beschleunigung erkennen.

Besonders hoher Bauüberhang

Insgesamt ist laut empirica in naher Zukunft mit einem deutlichen Anstieg der Wohnungsfertigstellungen zu rechnen. Der Bauüberhang sei nach dem deutlichen Anstieg der Baugenehmigungen in den letzten Jahren besonders hoch. Zum Jahresende 2016 waren mehr Geschosswohnungen im Prozess zwischen Genehmigung und Fertigstellung wie seit 2004 insgesamt fertiggestellt wurden. Dies dürfte zu einer baldigen Entlastung des Wohnungsmarktes in Berlin beitragen.

Andere Städte nicht untersucht

Die Kurzstudie basiert auf einer Sonderauswertung der Bauüberhangstatistik beim statistischen Landesamt Berlin, das jährlich vollständig den Status sämtlicher offenen Baugenehmigungen erhebt. Andere Städte wurden zwar nicht untersucht. Das Ergebnis dürfte sich laut den Studienautoren aber übertragen lassen. Die Untersuchung des Grundstücksmarktes noch ohne Baugenehmigung war nicht Bestandteil der Kurzstudie. Inwieweit hier die Spekulation mit Bauland die Entwicklung hemmt, konnte mit diesem Untersuchungsansatz daher nicht beurteilen. Dies sei aber wahrscheinlich der Fall. (mh)





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