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Heftige Meinungsverschiedenheiten über Berufszulassungen für Immobilienmakler und Verwalter
29. März 2017

Heftige Meinungsverschiedenheiten über Berufszulassungen für Immobilienmakler und Verwalter

Die Einführung von Zulassungsregeln für Immobilienmakler und Wohnungsverwalter hat in der öffentlichen Anhörung im Bundestag heftige Meinungsverschiedenheiten zutage gebracht. Wissenschaftler und Wirtschaftsvertreter bezeichneten die geplanten Zulassungen als unnötig und unzulässig. Branchenvertreter stellten sich dagegen fest hinter die Pläne der Bundesregierung.


Die deutsche Wirtschaft sieht die Einführung einer Berufszulassungsregelung für Immobilienmakler äußerst kritisch. Es sei kein hinreichender Grund erkennbar, warum der Nachweis einer Sachkundeprüfung verpflichtend eingeführt werden sollte, erklärte Mona Moraht vom Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHK) am Mittwoch in einer öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie.

Maklermarkt funktioniert auch so gut

Hintergrund der Anhörung war der Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Einführung einer Berufszulassungsregelung für gewerbliche Immobilienmakler und Verwalter von Wohnungseigentum. „Das Nichtvorliegen empirisch belegter Missstände macht deutlich, dass der Markt scheinbar gut funktioniert und die Immobilienmakler ihre Kunden offenbar gut beraten“, argumentierte der DIHK. Angesichts der Konkurrenz, speziell durch das Internet müssten sich Makler „schon aus Eigeninteresse“ durch hohe Qualität und besondere Zuverlässigkeit hervorheben. Allein die Möglichkeit einer Schädigung reiche nicht aus, um den Eingriff in die Berufsfreiheit zu rechtfertigen.

Gewichtiges Schutzgut

Professor Winfried Kluth von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg äußerte verfassungsrechtliche Bedenken, da es „um die Einführung einer subjektiven Berufszulassungsregelung durch das Erfordernis einer Sachkundeprüfung für Immobilienmakler und Wohnungseigentumsverwalter geht.“ In beiden Fällen fehle es an einem gewichtigen Schutzgut sowie dem empirischen Nachweis einer entsprechenden Gefährdungsgrundlage.

Nicht nachvollziehbar

Auch Johannes Ludewig vom Nationalen Normenkontrollrat kritisierte den Entwurf: „Die Darstellung des Regelungszwecks und der Erforderlichkeit im Gesetzentwurf ist immer noch nicht nachvollziehbar.“ Als Alternative bringt er eine Selbstregulierung der Branche durch freiwilliger Zertifizierungen ins Spiel. Es gebe ohnehin keinen empirischen Beleg, dass durch die Nicht-Regulierung Schäden entstanden seien und man deshalb regulieren müsse. Ludewig empfahl dem Bundeswirtschaftsministerium daher, den Gesetzentwurf zurückzuziehen.

Hohe Schäden durch unqualifizierte Verwalter

Mehrere Sachverständige aus der Immobilienbranche begrüßten hingegen den Gesetzentwurf. Gabriele Heinrich vom Verbraucherschutzverband wohnen im eigentum e.v. lobte besonders das Vorhaben, eine Berufszulassungsregelung für Verwalter einzuführen. Verwalter würden enorme Immobilienwerte und hohe Hausgeldbeträge verantworten. Unqualifizierte Verwalter könnten dabei hohe Schäden anrichten.

Nicht ohne Mindestanforderungen auszuführen

Auf die hohe Verantwortung von Verwaltern hat zuletzt auch schon Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) hingewiesen. Der Verwalterverband machte in der Anhörung darauf aufmerksam, dass allein für den Bereich der Wohnungseigentümergemeinschaften das fremdverwaltete Immobilienvermögen rund 640 Mrd. Euro umfasse, fremdverwaltete Mietwohnungen und Miethäuser über 250 Mrd. Euro. Vor diesem Hintergrund begrüßte der DDIV den Gesetzentwurf und die damit verbundene Einführung von Zulassungsvoraussetzungen für Verwalter von Wohnungseigentum. Damit erkenne der Gesetzgeber erstmals an, dass die Tätigkeit des Immobilienverwalters in seiner Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft nicht ohne Mindestanforderungen ausgeübt werden sollte.

Drohendes Zweiklassensystem in der Immobilienverwaltung

Lukas Siebenkotten vom Deutschen Mieterbund forderte zudem, dass der Sachkundenachweis auch auf die Mietverwaltung ausgedehnt wird. Am Ende drohe sonst ein „Zweiklassensystem in der Immobilienverwaltung“. Auch die Bestandsschutzregelung für Makler und Verwalter sollte laut Siebenkotten gestrichen werden.

Berufshaftpflichtversicherung auch für Makler

Auch die „Alte Hasen Regel“ war Teil der Debatte im Bundestagsausschuss. Der bisherige Gesetzentwurf sieht vor, dass Makler und Verwalter keinen Sachkundenachweis haben müssen, wenn sie mindestens sechs Jahre ununterbrochen selbstständig tätig waren. In diese Richtung argumentierte auch Sun Jensch vom Immobilienverband Deutschland, die sogar einen generellen Erlaubnisvorbehalt für die gewerbliche Immobilienverwaltung forderte. Nicht nur Verwalter, sondern vor auch Immobilienmakler sollten laut Jensch zudem eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen müssen. Streitigkeiten mit Immobilienmaklern und -verwaltern seien schließlich tägliche gerichtliche Praxis in Deutschland. (mh)



Kommentare

von Thomas Seibold am 30.03.2017 um 11:04 Uhr
Nun, sehr interessant erscheint, dass ausgerechnet Wirtschaftsvertreter die Notwendigkeit der Zugangsvoraussetzungen nicht erkennen. Hier fehlt anscheinend der entsprechende Einblick in die Branche. Warum gibt es diese Regelung denn dann für Versicherungen und Finanzierungsvermittlungen? Das Prinzip ist grundsätzlich das Gleiche!
Bravo, dass die brancheneigenen Verbände nun endlich in der Sache voran kommen. Hier sollte der Gesetzgeber auf die Branchenprofis hören und sich den internationalen Vergleich mit Frankreich, England und Holland ansehen. Es gibt ausgebildete Immobilienkaufleute und Fachwirte. Die IHK und weitere Institute bieten entsprechende Ausbildungen an. Diese werden leider nur relativ schwach genutzt. Diese Ausbildungen sollen zwingend als Richtschnur für die Zulassungsvoraussetzungen dienen. Juristen, Diplomkaufleute oder Volkswirte habe auch eine entsprechende Grundlage. Einem Bankkaufmann im Gegensatz dazu, fehlt zu viel Basiswissen für diese Branche. Hier sollte man doch endlich genau hinschauen. Auch eine sogenannte "alte-Hasen-Regelung" mit 6 Jahren ist doch etwas befremdlich, kann aber mit entsprechender Fortbildung oder Verbandsmitgliedschaft ein Kompromiss sein.

von Franziska Link am 31.03.2017 um 10:39 Uhr
Eine Sachkundeprüfung wird die Branche auch nicht in einem besseren Licht erscheinen lassen oder unfähige Makler oder Verwalter vom Markt wischen. Einzige Möglichkeit ist einen Strich zu ziehen und Immobilienmakler und Hausverwalter zwingend zum Ausbildungsberuf ab diesem Zeitpunkt zu machen. Das wäre dann auch der Garant das Ansehen und Bewusstsein der Dienstleistungen zu stärken. Die Makler und Verwalter die bisher tätig sind können den Beruf weiter ausführen denn es ist einzusehen warum ein Makler oder Hausverwalter der fünf Jahre und 364 Tage tätig ist weniger qualifiziert sein soll als der Kollege der einen Tag länger Praxis hat - eine alte Hasen Regelung ist völlig Lebensfremd.



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