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GENO Wohnbaugenossenschaft muss in die Insolvenz
06. August 2018

GENO Wohnbaugenossenschaft muss in die Insolvenz

Das Amtsgericht Ludwigsburg hat das Insolvenzverfahren über das Vermögen der GENO Wohnbaugenossenschaft e.G. eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Dr. Dietmar Haffa bestellt. Er will zunächst vor allem die Kosten drastisch kürzen. Der Vertrieb neuer WohnSparVerträge ist hingegen ab sofort eingestellt.


Die GENO Wohnbaugenossenschaft ist im Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter Dr. Dietmar Haffa von Schultze & Braun hält vorerst die Immobilien-, Miet- und Mitgliederverwaltung aufrecht. Der Vertrieb neuer WohnSparVerträge ist hingegen eingestellt. Ebenso werden keine neuen Mitglieder in die Genossenschaft aufgenommen.

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WohnSparVerträge

Die GENO bot zuletzt rund 4.500 Genossen die Möglichkeit, per Optionskauf eine eigengenutzte Immobilie zu erwerben. Grundlage einer Mitgliedschaft ist der Abschluss eines WohnSparVertrags. Nach Bereitstellung der Investitionssumme wird das Mitglied zum Mieter mit Kaufoption. Derzeit stehen den Genossen nur etwas mehr als 100 Wohnungen bzw. Häuser im Rahmen dieses Konzeptes zur Verfügung, so dass nach mehr als 15 Jahren Geschäftstätigkeit weniger als 3% der Genossenschaftsmitglieder in den Genuss einer Wohnung im Rahmen des GENO-Konzeptes gekommen sind.

2002 gegründet

Seit ihrer Gründung im Jahr 2002 erwirtschaftete die Genossenschaft mit Ausnahme des Jahres 2007 ausschließlich Verluste, seit 2011 jährlich in Millionenhöhe. Insgesamt addieren sich die aufgelaufenen Verluste einer vorläufigen Berechnung des Insolvenzverwalters zufolge auf mehr als 25 Mio. Euro. Die für die Verluste maßgeblich verantwortlichen Vorstände seien mittlerweile nicht mehr operativ tätig, auch wenn die Mitgliederversammlung deren Suspendierung durch den Aufsichtsrat von Anfang Mai nicht bestätigte.

Erhebliche betriebliche Sanierungsmaßnahmen geplant

„Vorrangiges Ziel muss es sein, die Genossenschaft zu stabilisieren und insbesondere die weitere Vernichtung von Vermögen in Höhe von monatlich zuletzt mehr als 200.000 Euro zu stoppen“, erklärt Haffa. „Dafür bedarf es aber erheblicher betrieblicher Sanierungsmaßnahmen, die zum Teil ihre Wirkung erst in einigen Monaten zeigen werden.“ So seien schmerzhafte Personalmaßnahmen unumgänglich. Haffa rechnet damit, etwa ein Drittel der zu Beginn des vorläufigen Insolvenzverfahrens rund 30 Mitarbeiter weiterbeschäftigen zu können.

Schließung der Wohnkompetenzzentren

Zudem sollen die sechs Wohnkompetenzzentren in mehreren deutschen Städten, die die Genossenschaft für ihren Vertrieb angemietet hat, geschlossen werden. Mit diesem Schritt will Haffa auch die Mietkosten der Genossenschaft deutlich mindern. Desweiteren werden keinerlei Gelder mehr an den Vertrieb abfließen. „Wichtig ist mir dabei, dass die Mietzahlungen der Genossenschaftsmitglieder, die in einer der GENO gehörenden Immobilie wohnen, mittelfristig ausreichen, um die Kosten der Genossenschaft zu tragen“, betont Haffa.

Basis für Sanierungsentscheidung

Mit den genannten Maßnahmen soll die Genossenschaft in die Lage versetzt werden, den Geschäftsbetrieb mittelfristig ohne Verluste zu führen. „Erst dann hat die Gläubigerversammlung überhaupt eine belastbare Perspektive, auf deren Basis sie ihre Entscheidung über das Ob und Wie einer Sanierung treffen kann“, sagt Haffa. (mh)





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