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Forscher fordern Reform der Mietspiegel
03. September 2015

Forscher fordern Reform der Mietspiegel

Die Mietspiegel spielen gerade aufgrund der Mietpreisbremse eine wichtigere Rolle denn je. Dieser Bedeutung werden sie laut einer aktuellen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim und des IREBS International Real Estate Business School an der Universität Regensburg nicht gerecht.


Die Mietspiegel werden ihrer hohen Bedeutung nicht gerecht. Zu diesem Ergebnis kommen ZEW und IREBS. Die Institute kritisieren zudem, dass die gesetzliche Grundlage zur Erstellung von Mietspiegeln unpräzise ist. Dadurch komme es häufig zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Die Forscher kritisieren aber nicht nur den Status Quo, sondern machen auch deutlich, welche Anforderungen funktionstüchtige Mietspiegel aus wissenschaftlicher Sicht unbedingt erfüllen sollten. Dazu zählen vor allem drei Punkte.

1. Trennung von Statistik und Politik

In einem Rechtsstaat werden amtliche Statistiken grundsätzlich von einer neutralen Stelle errechnet. Die Mietspiegel unterlägen hingegen zum Großteil dem Willen lokaler Politiker und Interessensvertreter, dessen Umsetzung zudem weitgehend intransparent ist. Im Ergebnis sind den Forschen zu folge die durch Mietspiegel errechneten ortsüblichen Vergleichsmieten deutlich niedriger, als bei tatsächlichen Marktbedingungen. Um die Funktionsfähigkeit des Wohnungsmarktes aufrecht zu erhalten, müsse der Mietspiegel wieder zu einem marktnahen Abbild des Wohnungsmarktes werden. Eine politische Einflussnahme auf die Berechnung von Mietspiegeln sollte nicht mehr möglich sein. Sofern eine Begrenzung der Miethöhe politisch erwünscht ist, sollte dies getrennt von der Berechnung des Mietspiegels umgesetzt werden. Die Mietpreisbremse kann hier als Vorbild dienen.

2. Vollerhebung statt Befragung

Derzeit werden die Daten für qualifizierte Mietspiegel in mühevoller Kleinarbeit bei Mietern und Vermietern erfragt. Nur wer Lust hat, zu antworten, tut dies auch. Dadurch sei Datenumfang für eine repräsentative Stichprobe oft zu gering. Zudem bestehe die Gefahr systematischer Verzerrungen. ZEW und IREBS fordern daher eine internetbasierte Vollerhebung aller Vermietungsdaten, zumal dies deutlich billiger wäre. Auf eine Erfassung von Mieterhöhungen sollte dabei zukünftig verzichtet werden, da diese keinen Bezug zum aktuellen Marktgeschehen aufweisen.

3. Zeitliche Verbreiterung der Datenbasis

Die aktuell praktizierte einfache Durchschnittsbildung ohne Berücksichtigung des unterschiedlichen Alters der Daten ist den Forschern zufolge ein klarer Verstoß gegen grundlegende statistische und wissenschaftliche Prinzipien und in dieser Form bei einer Ausweitung auf zehn Jahre nicht tragbar. Wird das unterschiedliche Datenalter hingegen methodisch explizit berücksichtigt, bestehe bei einer Ausweitung auf zehn Jahr oder mehr kein Grund zur Beanstandung. (mh)





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