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Erst Café-Dating, dann Speed-Dating, jetzt das Mieter-Dating?
03. Februar 2016

Erst Café-Dating, dann Speed-Dating, jetzt das Mieter-Dating?

Von Wirtschaftsjurist und BVFI-Präsident Helge Norbert Ziegler

Vor allem seit der Einführung des Bestellerprinzips suchen Vermieter nach neuen Lösungen bei der Mietersuche - und testen dabei alles Mögliche aus – vom Abreißzettel im Supermarkt bis hin zum Tinder für Mieter und Vermieter. Das klappt aber genauso selten wie bei den Partnerbörsen.

Wohnungsvermietungsmakler, so wollen wir hier den Makler nennen, der sich auf die Vermittlung von Mietwohnungen (korrekt: von Mietverträgen) spezialisiert hat(te), haben es seit dem 01.06.2015, also mit der Einführung des Bestellerprinzips, schon schwer. Das tut weh, ganz besonders, weil gerade der Bundesjustizminister selbst das späte Inkrafttreten seines eigenen Gesetzes noch nutzte, um dem neuen Mieter seines Hauses im Saarland noch schnell die Maklerprovision aufzubürden. Gut, er hat sie ihm wieder erstattet, aber erst nachdem die Sache publik wurde. Verwunderlich ist zweierlei: 1) Es gab schon weniger gewichtige Affären, die einen Minister zu Fall brachten. 2) Der Makler ist bis heute nicht bekannt geworden, er hat es vorgezogen, sich besser nicht zu outen.

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Neue Lösungen gesucht

Wie dem auch sei. Vermieter suchen jetzt nach neuen Lösungen, wenn sie einen neuen Mieter suchen. Es gibt pfiffige Makler, die haben, während andere über die Einführung des Bestellerprinzip noch lamentierten oder gar hofften, es käme doch nicht, Konzepte entwickelt, die Vermieter überzeugten. Dem Vernehmen nach generieren sie heute wieder 50 bis 70% der früheren Vermietungsumsätze. Das ist pfiffig und beweist gute Unternehmereigenschaften.

Tinder für Vermieter

Die Vermieter, die sich nicht überzeugen ließen oder denen Wohnungsvermietungsmakler zu wenig überzeugende Argumente lieferten oder schlichtweg zu teuer erschienen, testen alles Mögliche aus – um dann doch noch zu erfahren, dass es ohne einen guten Wohnungsvermietungsmakler nicht geht. Sie offerieren ihre Wohnung im Internet selbst, hängen an den Supermarkt Abreißzettel, inserieren im örtlichen Blatt oder stoßen auf diese neue Masche: Mieter-Dating. Mittels einer Plattform sollen Vermieter und Mieter, ähnlich wie bei der Anmachplattform Tinder, sich gegenseitig „matchen“. Ist das der Fall, dann haben beide einen Treffer und sie passen zueinander. Die Kosten sind natürlich so verführerisch gering, dass man einfach darauf eingehen muss.

Auswahl nicht einem Automaten überlassen

Liebe Vermieter, wir kommen nicht umher, den mahnenden Finger zu heben, und zwar ganz weit nach oben. Bei der Mieterauswahl sind Sie eigentlich nur einmal vor und während eines Mietverhältnisses in einer günstigen Ausgangssituation. Danach haben Sie nur noch Pflichten. Wie kann man da ernsthaft erwägen, die Selektion seines neuen Mieters einem Automaten zu überlassen? Das klappt genauso oft oder selten wie bei den Partnerbörsen.

Von Algorithmen nicht zu erfassen

Zudem gibt es unendlich Vieles zu beachten, um nachher nicht einen teuren Mietausfall zu haben. Das können Algorithmen nicht leisten. Im Durchschnitt verliert ein Vermieter bei einem Mietausfall 15,5 Monatsmieten. Das sind gleich etliche tausend Euro. Dazu kommen noch die Renovierungskosten. Nicht zu vergessen die Betriebskosten bis hin zur Hausverwaltung, die weiterlaufen und natürlich die Zinsen für das Hypothekendarlehen. So ein Mietausfall hat schon manchen Eigentümer an den Rand des Ruins gebracht.

Über den Autor:

Helge Norbert Ziegler vermietet selbst seit Jahrzehnten seine eigenen Wohnungen. Noch kein einziger Mietausfall wurde erlitten, noch kein Räumungsprozess war erforderlich, er ist kein Mitglied in einem Grundbesitzerverein und unterhält keine Rechtschutzversicherung. Sein Wissen hat er in einem im Verlag C.H. Beck veröffentlichten Ratgeber „Richtig vermieten – beruhigt schlafen“ (ISBN 978–3406683749 ) zusammengefasst, der in allen Buchhandlungen sowie bei Amazon für 9,90 Euro erhältlich ist.

In dem Ratgeber wird aufgezeigt, wie man als Vermieter die Chance der Mieterauswahl zu seinem Vorteil nutzt und wie man einen guten Wohnungsvermietungsmakler findet. Außerdem gibt er Wohnungsvermietungsmaklern wertvolle Hilfen, wie sie ihrem Mandanten, den Vermieter, wertvolle Dienstleistungen und geldwerte Vorteile bieten können. Der Ratgeber ist somit nicht nur ein Muss für Vermieter, sondern auch für Wohnungsvermietungsmakler.





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