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Energetischer Zustand verliert beim Immobilienkauf an Bedeutung
14. Dezember 2016

Energetischer Zustand verliert beim Immobilienkauf an Bedeutung

Der energetische Zustand verliert als Argument beim Immobilienkauf laut einer aktuellen Untersuchung stark an Bedeutung. Am wichtigsten sind noch moderne Heizungen, isolierte Fenster und Dämmungen. Die Mehrheit der Käufer rechnet zudem fest mit energetischen Folgeinvestitionen. Der Energieausweis wird derweil immer unbeliebter.


Im Vergleich zu 2011 ist die Bedeutung der Energiebilanz eines Objekts als absolutes Entscheidungskriterium beim Immobilienkauf um rund 10 Prozentpunkte auf 15,7%. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle Immobilienbarometer von Interhyp und ImmobilienScout24. Die Mehrheit der Befragten gibt zwar weiterhin noch an, dass die Energieeffizienz des Objekts wichtig sei (57%), aber dieser Aussage stimmten im Vorjahr noch 63% zu.

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Heizung und Fenster im Fokus

Bei der Bewertung des energetischen Zustandes einer Immobilie achten die Deutschen vor allem auf eine moderne Heizungsanlage (75%) und Fenster mit Mehrfachverglasung (69%), gefolgt von einer guten Dach- und Außendämmung (59 bzw. 55%). Das Vorhandensein einer Solarthermieanlage oder einer Kellerdeckendämmung hingegen ist nur für jeden 14. Kaufinteressenten besonders relevant.

Energieausweis fällt weiterhin durch

Der 2008 eingeführte Energieausweis hat es zunehmend schwer. Das Dokument versteht nicht einmal jeder dritte Befragte. Nur für jeden Neunten Befragten hat der Energieausweis einen Mehrwert. Ein seit Jahren währender Kritikpunkt ist, dass der Energieausweis zwar über den Energieverbrauch, vielfach aber nicht über den energetischen Zustand der Immobilie Auskunft gibt. Bemängelte das vor fünf Jahren noch jeder vierte Studienteilnehmer, ist das inzwischen eine Mehrheit von 53%. (mh)



Kommentare

von Frank Altenpohl am 15.12.2016 um 15:29 Uhr
Wenn das wirklich so ist, sind die Vermieter, Hausverwalter und Makler mit schuld. Zunächst mal sollten diese Berufsgruppen die Funktionsweise des E-Ausweises verstehen. Dann nämlich könnten Sie auch den schlechtesten E-Ausweis rechtfertigen und in ein positives Ergebnis umwandeln.

Derzeit sehen die Verbraucher nur ein Banddiagramm von grün bis rot. Die Werte zwischen 0 und 250 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr werden nicht interpretiert. Auch, dass dieses Diagram in 2005 von 0 bis 450 auf 0 bis 250 umgestellt wurde, so dass nunmehr vorher "grüne" Häuser in den orangen, vormals orange Häuser in den roten Bereich rücken, wurde so gut wie nicht wahrgenommen. Dass ein Verbrauchsausweis Nonsens ist wird deutlich, wenn in einem kleinen Mietshaus in Berlin-Dahlem Pensionäre wohnen, die ihre Wohnung gerne auf 23 bis 24°C heizen und das Haus deshalb in den tief roten Bereich eintaucht, obwohl es bauphysikalisch vielleicht in den orangen Bereich gehört.

Es bleibt also der Bedarfsausweis. Na schön, da muss sich ein Fachlundiger aber sehr mit der Bausubstanz, den Fenstern den Decken und den Wärmedurchlasswerten auseinander setzen und Korrelationen erkennen, die selbst Bauingenieure nicht sicher bestimmen können. Man stelle sich ein Altbauhaus mit 60 Fenstern vor, viele davon in unterschiedlichem Material aus verschiedenen Baujahren. Haustüren? Unterschiedliche Geschosshöhen? Deckenbeschaffenheiten? Mauerwerksgegebenheiten (Doppelschale, massiv, Dämmputz, Vorhangfassade, Wärmeverbundsysteme, Ausgebaute Dächer = Welche Dämmung hinter Rigipps, Heizkörper mit verschiedener Effizienz? Viele Fragen, die meist gar nicht geklärt werden können. Allein die Anbindung von Fenstern an das Mauerwerk ist oft höchst unterschiedlich und damit auch die Wärmebrückenbildung.

Letztlich kann man auch beim Bedarfsausweis vieles nur überschlägig beurteilen. Aber Hauptsache, es wird Bürokratie erzeugt und die Verwaltungen werden mit Kontrollaufgaben beschäftigt. Hoffentlich hat dieser Irrsinn bald ein Ende.



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