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Ein wenig beachtetes Jubiläum der besonderen Art
15. Februar 2016

Ein wenig beachtetes Jubiläum der besonderen Art

Von Wirtschaftsjurist und BVFI-Präsident Helge Norbert Ziegler

Oft zitiert, bei nahezu allen Juristen das Standardwerk, sonst eher wenig bekannt und dennoch einschlägig: Das ist der „Palandt“, der Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), der just in seiner 75. Jubiläumsausgabe erschienen ist.


 

Wer sich mit dem Bürgerlichen Gesetz, also dem Zivilrecht beschäftigt, kommt um den Palandt nicht herum. Die erste Auflage erschien im Jahr 1939 in schwierigen Zeiten mit immerhin 5.000 Exemplaren. Bis 1944 folgten weitere fünf Auflagen; danach wurde die regelmäßige Fortsetzung durch die geschichtlichen Entwicklungen für mehrere Jahre unterbrochen. Die siebente Auflage wurde nach dem Inkrafttreten des Grundgesetzes im Jahre 1949 veröffentlicht.

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Sehr gut angenommenes Modell

Bald erwies sich, dass dieses Kommentar-Modell auch bei den Juristen in der neuen Bundesrepublik sehr gut angenommen wurde. Bis heute zeichnet jede Auflage des Palandt ein knapper, präziser Kommentierungsstil, die Behandlung der allerneuesten gesetzlichen Regelungen und die weit reichende Berücksichtigung der aktuellen Rechtsprechung aus.

Hohe Kontinuität

Seine Kontinuität beweist er dadurch, dass in den 75 Jahren seines Erscheinens nur 19 Autoren verpflichtet werden mussten, deren Mitarbeit in einigen Fällen beachtliche 40 Auflagen umfasst. Anfangs machen so manchem Leser die Abkürzungen, die so genannte „Stummelsprache“, zu schaffen. Doch schnell freundet man sich mit ihr an. Nicht nur, weil sie dem Kommentar damit zusätzliche 400 Seiten ersparen.

Festschrift zum Jubiläum

Mit der 75. Auflage wurde auch eine Festschrift überreicht, die Aufschlussreiches zu Tage fördert. Darin sind lesenswerte Artikel enthalten, wie zum Beispiel „Ein Leben mit den Palandt?“, „Nicht nur eine Liebeserklärung“ oder die Schilderung eines Sitzungstages am Familiengericht. Nicht fehlen darf auch eine ausführliche und zudem kritische Auseinandersetzung mit der Person des Wilhelm Louis Otto Palandt. Der im Jahr 1987 in Stade Geborene war keineswegs der glänzende Jurist, dass er es verdient gehabt hätte, einen Kommentar nach ihm zu benennen. Der Zufall wollte es so, dass der eigentliche spiritus rector vor Erscheinen der ersten Ausgabe verstarb und so eben Palandt an seine Stelle trat. Zudem war Palandt nicht abgeneigt, der Obrigkeit in der nationalsozialistischen Zeit zu huldigen. Gleichwohl schaffte er seine ideologische Neutralisierung. Er starb im Dezember 1951.

Mehr als nur Gesetzestext

Immobilienrecht ist Richterrecht. Deren Meinung findet sich im Palandt wieder. Von daher kann ich jedem Immobilienwirtschaftler nur empfehlen, nicht nur das BGB aus den Beck-Texten im dtv als Gesetzestext zur Hand zu haben, sondern auch den Palandt als Kommentar. (mh)





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