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Deutsche Wohnimmobilien bleiben eine Bank
05. Oktober 2017

Deutsche Wohnimmobilien bleiben eine Bank

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ist der gewerbliche Wohninvestmentmarkt eine Bank geblieben. Die Zeit der Megaabschlüsse ist aber vorbei. Nach der Bundestagswahl gibt es zudem viele offene Fragen. Kommunale Wohnungsgesellschaften treten derweil wieder verstärkt als Käufer auf.


Mit 4,8 Mrd. Euro sind am gewerblichen Wohninvestmentmarkt im dritten Quartal 2017 fast 45% des gesamten Dreivierteljahresvolumens erzielt worden. Insgesamt summiert sich das Transaktionsvolumen für Wohnimmobilien und -portfolios von Januar bis Ende September auf 10,9 Mrd. Euro, bei insgesamt 95.400 Wohneinheiten. Das bedeutet ein Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 40%. Das zeigen aktuelle Auswertungen von JLL.

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Zeit der Megaabschlüsse vorerst vorbei

Für den Rest des Jahres herrscht ebenfalls Zuversicht. „Auch im Schlussquartal dürfte noch einmal eine Schippe draufgelegt werden. Damit könnte dann ein Jahresergebnis von um die 16 bis 17 Mrd. Euro bis zum Jahresende erreicht sein“, so Dr. Konstantin Kortmann, Head of Residential Investment JLL Germany. Kleinere Portfolios und Projektentwicklungen bleiben die Treiber des Marktgeschehens. Die Zeit der Megaabschlüsse ist laut Kortmann zunächst einmal vorbei. Bis dato wurden lediglich drei Portfolios mit mehr als 2.500 Wohnungen gehandelt. 2015 wurden noch über 20 Portfolios in dieser Größenklasse gezählt.

Kleinere Portfolios gefragt

Die durchschnittliche Transaktionsgröße hat zwar gegenüber dem Vorjahr von 249 Wohneinheiten um 30% auf 320 Wohneinheiten zugelegt. Im Vergleich mit dem Schnitt der letzten fünf Jahre wurden in 2017 bis dato um 40% kleinere Portfolios gehandelt. Eine weitere Trendverstärkung ist der Erwerb von Projektentwicklungen und damit verbundenen Forward-Deals. Während bisher vor allem deutsche Spezialfonds mit Kapital von langfristig orientierten Anlegern aus dem Bereich der Versorgungs- und Pensionskassen als Käufer von Projektentwicklungen auftraten, sind aktuell auch kommunale Wohnungsgesellschaften als Käufer aktiv geworden.

Politischen Auftrag erfüllen

„Die kommunalen Wohnungsgesellschaften versuchen damit, ihren politischen Auftrag zu erfüllen, nämlich bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, sagt Konstantin Kortmann. Dieses Ziel könne durch eigene Entwicklungen oder Bestandsankäufe mangels Kapazitäten und Angebot nicht mehr erreicht werden. „Unterstützend wirken hier auch die kommunalen Modelle zur Baulandentwicklung, bei denen Teile von Neubauentwicklungen als mietpreisgedämpfte Wohnungen angeboten werden müssen. Die kommunalen Wohnungsgesellschaften treten dann als Käufer auf.“

Viele offene Fragen nach der Bundestagswahl

Mit 2,7 Mrd. Euro entfiel ein Viertel der direkten Investments auf ausländische Investoren. Der Anteil liegt damit auf dem Niveau des Vorjahres. Das Gros internationalen Kapitals kommt von Anlegern aus Israel (1,4 Mrd. Euro). Frankreich (390 Mio. Euro) und Großbritannien (190 Mio. Euro) folgen mit deutlichem Abstand. „Das Interesse internationaler Anleger, in Deutschlands Wohnimmobilien zu investieren, ist ohne Frage nach wie vor hoch. Limitierend wirkt allerdings genauso sicher die nach der Bundestagswahl unklare Richtung, in die eine Regierungskoalition im Blick auf die Zukunft der Immobilienbranche marschieren wird“, kommentiert Kortmann. Für Verunsicherung sorgen unter anderem die unterschiedlichen Positionen der Parteien zur Mietpreisbremse, die uneinheitlichen Regelungen bei der Genehmigung von Neubauprojekten und der Neubauförderung, sowie Fragen des sozialen Wohnungsbaus. Allerdings würde auch die sehr gute Vernetzung deutscher institutioneller Investoren bei Projektentwicklern und Verkäufern die Situation internationaler Investoren erschweren. (mh)





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