Das hat die Mietpreisbremse in der Realität bewirkt | ImmoCompact - Nachrichten
AssCompact - Facebook AssCompact - Twitter AssCompact - Xing

Das hat die Mietpreisbremse in der Realität bewirkt
20. Juli 2018

Das hat die Mietpreisbremse in der Realität bewirkt

Die Mieten einfach gesetzlich bremsen – das war das Ziel der Einführung der Mietpreisbremse vor rund drei Jahren. Schließlich waren gerade in den deutschen Metropolen zuvor die Mietpreise teilweise explodiert. Welche Wirkung sie seit der Einführung in der Realität entfaltet hat, zeigt nun eine Studie von Immowelt.de.


Die Mietpreisbremse hat seit ihrer Einführung vor rund drei Jahren die explodierenden Wohnkosten in den meisten Millionenstädten nicht aufgehalten. Zu diesem klaren Fazit kommt eine aktuelle Auswertung von Immowelt.de. Trotz Mietpreisbremse schnellen die Preise in den meisten Millionenstädten weiter in die Höhe. In Berlin sind die Mieten seit Inkrafttreten des Gesetzes sogar noch stärker gestiegen als vorher.

34% Mietsteigerung seit der Mietpreisbremse

Seit 2015 kletterten die mittleren Mieten in Berlin von 8,50 Euro pro m2 auf 11,40 Euro. Die Steigerungsrate beträgt damit 34%. Das ist sogar deutlich mehr als die 25%, um die die Mieten in der Hauptstadt Preise in den drei Jahren vor der Einführung der Mietpreisbremse zugenommen hatten. In München liegen die Mietpreise auf einem Rekordhoch von 17,90 Euro pro m2. Seit Einführung der Mietpreisbremse im August 2015 haben sie sich um 19% zugelegt. In den drei Jahren vor 2015 lag der Wert mit 20% nur minimal höher.

Wohnraum bleibt Mangelware

„Die rasante Preisentwicklung in Berlin und München ist nicht verwunderlich“, erklärt Immowelt-CEO Carsten Schlabritz. „Bezahlbarer Wohnraum ist in beiden Städten immer noch Mangelware. Um einen weiteren Preisanstieg zu verhindern, muss der soziale Wohnungsbau für Investoren so rentabel werden wie der frei finanzierte. Das geht nur, wenn die Städte und Kommunen marktgerechte Anreize bereitstellen.“

Die aktuelle Situation sehe allerdings anders aus: Die wenigen, freien Bauflächen sind laut Immowelt extrem teuer und werden zu Höchstpreisen verkauft. Zudem sind die Baukosten in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen, auch wegen neuer Bauvorschriften. Viele Neubauten seien dadurch im Luxuspreissegment angesiedelt und für viele Wohnungssuchende unerschwinglich. Das Nachsehen haben die Gering- und immer mehr auch die Normalverdiener.

Ausnahmeregelungen verschärfen Problematik

Durch die Ausnahmeregelungen der Mietpreisbremse – sie greift nicht bei Neubauten oder umfassender Sanierung von Bestandsimmobilien – werde diese Entwicklung sogar noch begünstigt. Wohnungen, die bereits vor der Einführung des Gesetzes über der ortsüblichen Vergleichsmiete lagen, haben zudem Bestandsschutz.

Entspannung in Köln und Hamburg

Alternative Lösungen wie beschleunigte Baugenehmigungen und Wohnraumförderungen zeigen laut Immowelt mehr Wirkung. So würden die Mietpreise in Hamburg und Köln nur moderat anziehen. In Köln sind die Mieten in den vergangenen drei Jahren um 7% auf 10,70 Euro pro m2 gestiegen. Von 2012 bis zur Einführung der Mietpreisbremse im Jahr 2015 lag die Steigerungsrate dagegen noch bei 15%. In Hamburg ist der rasante Mietpreisanstieg ebenfalls gebremst: Von 2015 bis 2018 haben sich die Preise um 9% statt wie zuvor um 14%.

Aktive Wohnungspolitik schafft neue Wohnungen

Beide Städte arbeiten der Untersuchung zufolge aktiv daran, die Ursache der steigenden Preise zu bekämpfen. So entstehen in Hamburg durch ein Bündnis für das Wohnen jährlich 10.000 neue Wohnungen, 3.000 davon für Menschen mit geringerem Einkommen. Köln hat derweil 2014 das Stadtentwicklungskonzept Wohnen ins Leben gerufen, durch das bis 2029 66.000 neue Wohnungen entstehen sollen. Dieses zusätzliche Angebot entlastet die angespannten Wohnungsmärkte deutlich besser als eine gesetzlich vorgeschriebene Preisbremse. (mh)





ImmoCompact Abonnement

Sie wollen den ImmoCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des ImmoCompact Newsletters und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Die Mietpreisbremse ist ein Musterwerk der Symbolpolitik. Trotz aller Warnungen aus der Branche wollte die Bundesregierung sie unbedingt durchsetzen. Kurz vor der Wahl kommt die Einsicht von oberster Stelle. Hoffentlich war dies nicht die letzte Einsicht – denn die Wohnungs- und Immobilienpolitik der vergangenen Jahre ist ein einziges Debakel.