Bauzinsen auf Frühjahrshoch: Welche Folgen hat der EZB-Entscheid? | ImmoCompact - Nachrichten
AssCompact - Facebook AssCompact - Twitter AssCompact - Xing

Bauzinsen auf Frühjahrshoch: Welche Folgen hat der EZB-Entscheid?
09. März 2018

Bauzinsen auf Frühjahrshoch: Welche Folgen hat der EZB-Entscheid?

Baufinanzierungszinsen sind zuletzt innerhalb eines Monats um 30 Basispunkte gestiegen. Die Europäische Zentralbank hat allerdings beschlossen, den Leitzins vorerst nicht zu erhöhen. Welche Folgen das für die Bauzinsen haben dürfte, erläutert Michael Neumann von Dr. Klein.


Die Europäische Zentralbank (EZB) hebt weder den Leitzins an, noch hat sie eine Erhöhung in naher Zukunft in Aussicht gestellt. Das sind die wichtigsten Ergebnisse ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung am 08.03.2018 in Frankfurt. „Ich rechne nach wie vor mit keiner Erhöhung des Leitzinses vor dem zweiten Quartal 2019“, kommentiert Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, nach der jüngsten Notenbanksitzung. „Zwar zeigen die ökonomischen Verhältnisse in Europa weiterhin Verbesserungen. Doch die Inflation rangiert nach wie vor nicht im Zielkorridor. Deshalb wird Mario Draghi bei seiner expansiven Ausrichtung und seinen umsichtigen Ankündigungen bleiben“, so Neumann.

Anzeige
Inflationsentwicklung stützt Draghi

Auch die Sprachregelung für den geldpolitischen Ausblick passte die EZB nicht an. Zwar war im Dezember 2017 darüber entschieden worden, die Diskussion zur sogenannten Forward Guidance anzuregen, und dieses Thema für Anfang 2018 auf die Agenda zu nehmen. Doch dazu kam es bisher nicht. Die Entwicklung der Inflation spielt Neumann zufolge Draghi in die Karten. Sie bestätige seinen Kurs und nehme ihm den Druck, den Leitzins anzuheben: In Deutschland sank die Teuerung im Februar auf 1,4%, im gesamten Euroraum lag sie im Januar bei nur 1,3% und damit weit unter der Zielmarke von 2%.

Frühjahrshoch

Doch eines wird immer offensichtlicher: Die Märkte und die EZB sprechen nicht mehr die gleiche Sprache. Denn ungeachtet der Aussagen des EZB-Chefs Draghi und seiner Nullzins-Politik tut sich etwas bei den langfristigen Anlageformen – allen voran der zehnjährigen Bundesanleihe. Sie gilt als Blaupause für die Baufinanzierungszinsen. Der Grund: Banken refinanzieren Immobilienkredite zum großen Teil durch Pfandbriefe und diese wiederum orientieren sich an der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe. Sie stieg zuletzt auf 0,7%, noch vor drei Monaten betrug sie 0,3% – also weniger als die Hälfte.

Weiterhin sehr günstige Zinsen

„Langfristige Anleihen nehmen die Entwicklung des Leitzinsen oft vorweg“, erläutert Zinsexperte Neumann. „Deshalb konnten wir in den vergangenen Wochen sehen, dass die Baufinanzierungszinsen leicht angezogen haben. Dennoch: Schaut man acht Jahre zurück – damals lag der Bestzins bei 3,63% – lässt sich erkennen, dass wir uns noch immer auf einem sehr niedrigen Zinsniveau befinden. Heute liegt er bei 1,36%. Somit haben wir den historischen Tiefpunkt im Herbst 2016 gesehen, aber Immobilien-Interessenten finden weiterhin günstige Rahmenbedingungen für ihre Finanzierung vor.“

Neues zur Nachfolge von Draghi

Immer wieder gibt es Spekulationen um die Nachfolge von Mario Draghi, zuletzt in der vergangenen Woche. Der Grund dafür: Der Spanier Luis de Guindos wurde als neuer EZB-Vizechef nominiert. Seine Wahl scheint recht sicher. Damit steigen laut Michael Neumann die Chancen, dass der derzeitige Präsident der deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, im November 2019 EZB-Präsident wird, der sich schon öfter für eine zurückhaltendere Geldpolitik eingesetzt hat. Bis zu seinem Antritt stehen die Chancen auf eine Zinstrendwende aber eher schlecht. (mh)





ImmoCompact Abonnement

Sie wollen den ImmoCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des ImmoCompact Newsletters und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Die Mietpreisbremse ist ein Musterwerk der Symbolpolitik. Trotz aller Warnungen aus der Branche wollte die Bundesregierung sie unbedingt durchsetzen. Kurz vor der Wahl kommt die Einsicht von oberster Stelle. Hoffentlich war dies nicht die letzte Einsicht – denn die Wohnungs- und Immobilienpolitik der vergangenen Jahre ist ein einziges Debakel.