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Baukindergeld & Co.: Politischer Nonsens der Großkoalitionäre
06. Februar 2018

Baukindergeld & Co.: Politischer Nonsens der Großkoalitionäre

Baukindergeld, verschärfte Mietpreisbremse, Milliardenzuschüsse für neue Wohnungen – die Große Koalition hat sich auf eine Reihe von Maßnahmen zur Förderungen des freien und sozialen Wohnungsbaus geeinigt. Die Wichtigste fehlt allerdings. Was auf den ersten Blick nach viel aussieht, entpuppt sich beim zweiten Blick zudem als Tropfen auf den heißen Stein.


Tacheles von Michael Herrmann, Chefredakteur von ImmoCompact

Plötzlich ist es allen klar. Bezahlbares Wohnen ist eine wichtige politische Aufgabe. Darauf hat sich die nicht mehr ganz so Große Koalition aus CDU, CSU und SPD während der Koalitionsverhandlungen geeinigt – und dafür ein Paket an Maßnahmen geschnürt. Die sinnvollste von allen möglichen Förderungen fehlt allerdings: die Abschaffung der Grunderwerbsteuer für den Kauf von selbst genutzten Eigenheimen. Das würde Familien sofort entlasten. Nicht selten scheitert der Kauf von Wohneigentum schließlich an den Nebenkosten.

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Die bis zu 6,5% Grunderwerbsteuer in Deutschland machen bei einer Summe von 200.000 Euro schließlich schon 13.000 Euro aus, die Familien bei einem Wegfall weniger finanzieren müssten. Stattdessen lautet das Motto aber lieber Baukindergeld. 1.200 Euro je Kind und Jahr für bis zu zehn Jahre. Macht bei einem Kind maximal 12.000 Euro – aber nicht sofort wie bei einem Streichen der Grunderwerbsteuer, sondern erst über einen längeren Zeitraum.

Bis 2021 sollen bis zu 1,5 Millionen neue Wohnungen gebaut werden. Ein hehres Ziel. Es sollten aber auch schon mal 1 Mio. Elektroautos bis 2020 auf Deutschlands Straßen fahren. 4 Mrd. Euro will die neue Regierung für einen Wohnungsboom zur Verfügung stellen. Klingt viel. Bedeutet pro Wohnung aber gerade einmal weniger als 2.700 Euro. Zweifelhaft, dass das ernsthaft etwas an der Wohnungsnot ändern wird – zumal die SPD mit einem ihrer Lieblingsthemen den freien Wohnungsbau auf der anderen Seiten auch ausbremsen will.

Die Mietpreisbremse wird verschärft. Statt das völlig fehlgeschlagene Gesetz zu beerdigen, wird es also neu aufgerührt. Dieser Populismus fördert bezahlbares Wohnen kein Stück. Bleibt nur zu hoffen, dass die Bremse erneut ihre Wirkung verfehlen wird und sich die Regierungsparteien auch mit dem ein oder anderen weiteren Punkt noch einmal genauer auseinandersetzen.


<h5>Michael Herrmann</h5>
Michael Herrmann


Kommentare

von Hans-Martin Deptner am 06.02.2018 um 11:13 Uhr
Wenn es jetzt eine Möglichkeit gäbe das Baukindergeld zu kapitalisieren und dieses zu Beginn in einer Summe (12.000,-€ je Kind) wäre auch das Problem der Grunderwerbssteuer etwas abgemildert.

von Regina Höppner am 07.02.2018 um 13:46 Uhr
na bitte - geht doch - wir haben darauf nur gewartet und können bereits jetzt auf Knopfdruck
dieses "Bonbon" in jede Finanzierung einbinden - klein und fein - besser wenig als gar nix -
also ein leises Dankeschön an die GROKO.



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