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„Ich sehe das Bestellerprinzip sehr positiv und finde es gerechtfertigt“
03. Februar 2016

„Ich sehe das Bestellerprinzip sehr positiv und finde es gerechtfertigt“

Aus der Branche für die Branche – um dieses Leitmotto in die Tat umzusetzen, lässt ImmoCompact ab sofort Makler zu Wort kommen. Fünf Antworten auf fünf Fragen zu aktuellen Branchenthemen lautet die Aufgabe – den Auftakt macht Elias Rayani, Immobilienmakler aus Kaarst und Abgeordneter im Bundeskongress für die Immobilienwirtschaft.


1. Herr Rayani, wie stark verändert das Bestellerprinzip die deutsche Immobilienwirtschaft?

Ich sehe das Bestellerprinzip sehr positiv und finde es auch gerechtfertigt. Ich glaube, dass sich hier die Spreu vom Weizen trennen und der Vermieter so auf Qualität setzt bei der Vermarktung seiner Immobilie setzen kann.

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2. Befindet sich der deutsche Immobilienmarkt in einer Blase?

Ich würde sagen der Immobilienmarkt ist stark überhitzt, aber in einer Blase wie in den USA befinden wir uns nicht. Die deutschen Kreditinstitute finanzieren maximal 110%, aber das auch nur in seltenen Fällen. Der einzige Teilmarkt, der einer Blase erliegen könnte, ist der neue Markt für Flüchtlingsunterkünfte. Hier sollte man nicht zu voreilig investieren. Nach Umfragen möchte der größte Teil der Flüchtlinge nach einer Befriedung zurück in die Heimat. Dies ist natürlich noch ein langer Weg, aber in dem Bereich für mehr als zehn Jahre zu investieren, sehe ich kritisch.

Des Weiteren sehe ich die kurze Zinsfestschreibung sehr kritisch. Viele Privatkäufer, die durch das niedrige Zinsniveau erst in den Genuss einer Immobilie gekommen sind, könnten nach der Laufzeit und einer Zinssteigerung auf Probleme stoßen. Es ist zwar nur ein Szenario das auf Thesen beruht, aber es könnte sein, dass wir in 10 bis 15 Jahren, wenn die Zinsen wieder steigen, ein massives Ansteigen von Verkäufen aus Notlagen oder Zwangsversteigerungen verzeichnen müssen.

3. Was zeichnet einen starken und zukunftsfähigen Immobilienmakler aus?

Ich selber als Immobilienfachwirt sehe das Fundament in einer fachkundigen Ausbildung (Berufsausbildung), die auch Pflicht werden sollte. Zudem sollte man auf einen guten After Sale Service setzen. Nach dem Notar ist vor dem Notar, wir leben unter anderem von Weiterempfehlung. Und der wichtigste Punkt ist im Privatkäufersegment: Versetze dich in die Lage deines Kunden. Der Kunde bindet sich eine lange Zeit an diese Investition, Ängste sind berechtigt.

4. Ist die Digitalisierung eher Chance oder Gefahr für die mittelständische Immobilienwirtschaft?

Sie ist positiv, wir müssen mit dem Markt gehen und mit der Zeit. Ich sehe hier ein großes Potenzial, um Kosten, Zeit und Ressourcen zu sparen für eine optimale und schnelle Vermarktung.

5. Wie lässt sich der schlechte Ruf der Immobilienmakler verbessern?

Wie schon angesprochen brauchen wir ein Bundesweites einheitliches System. Der Fachkundenachweis ist zwar ein Anfang, aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Verbraucher können nicht unterscheiden von einem Makler, Immobilienkaufmann ( IHK) oder einem Fachwirt vor sich haben. Um wirklich einen angesehenen Berufsstand zu erhalten, kommen wir nicht darum herum, eine Ausbildungspflicht einzuführen wie bei allen kaufmännischen Berufen. (mh)



Kommentare

von Klaus Noethen am 04.02.2016 um 12:49 Uhr
Ob das Bestellerprinzip positiv oder negativ beurteilt wird, ist sicherlich davon abhängig, wer gefragt wird. Was mich persönlich stört ist, wie die Politik das Ganze begründet hat und wie das ganze Paket umgesetzt wurde. Grundsätzlich hat ein Makler die Aufgabe, das Auftragsobjekt erfolgreich zu vertreiben (Vertrieb). Es gibt eigentlich "kaum" kein Produkt, wo die Vertriebskosten nicht in die Gesamt-Kostenkalkulation (hier: Miete)berücksichtigt werden. Ob der Mieter dies direkt bezahlt oder indirekt über den Mietzins spielt letztendlich keine Rolle. Wenn nunmehr die Politik sagt, dass die Vertriebskosten durch den Vermieter zu zahlen sind, dann ist dies Augenwischerei. Denn letztendlich ist entscheidend, was das Produkt für den Endverbraucher kostet. Festzuhalten ist auch, dass gerade die Politik bemängelt, dass zu wenig Wohnraum geschaffen wird. Woran mag das wohl liegen? Ich würde mir wünschen, wenn die Politik nicht permanent in die Marktwirtschaft eingreifen würde.



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