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„Der Koalitionsvertrag wird nicht mehr Menschen ins Eigenheim bringen“
12. Februar 2018

„Der Koalitionsvertrag wird nicht mehr Menschen ins Eigenheim bringen“

Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD ist auch in der Immobilienwirtschaft in dieser Woche das ganz große Thema. Was nützen die vereinbarten Maßnahmen potenziellen Eigenheimbesitzern? Michael Neumann vom Baufinanzierer Dr. Klein hat dazu ein klare Meinung.


Der Koalitionsvertrag der Großen Koalition wird nicht mehr Menschen ins Eigenheim bringen. Davon ist Michael Neumann fest überzeugt. Gut gemeint, sei schließlich nicht gleich gut gemacht. „Es finden sich viele Punkte, die die Nachfrage nach Immobilien weiter anheizen werden. Das Ziel, für mehr Angebot an ohnehin mangelndem Wohnraum zu sorgen und so die Wurzel des Unheils zu packen, bleibt hingegen auf der Strecke“, so der Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG.

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Baukindergeld ein falsches Instrument

Mit dem Baukindergeld will die große Koalition jährlich 1.200 Euro je Kind über zehn Jahre für den Kauf oder Bau der eigenen Immobilie zuschießen. Davon profitieren Familien mit einem zu versteuernden Jahreshaushaltseinkommen von bis zu 75.000 Euro jährlich. Je Kind kommt ein Freibetrag von 15.000 Euro hinzu. „Das Positive zuerst: Die Zielgruppe ist weit gefasst und trifft damit eine breite Bevölkerungsschicht. Sie hat durch das Baukindergeld monatlich 100 Euro mehr Kapital je Kind zur Verfügung“, erläutert Neumann. „Es wird sicher auch – ähnlich wie damals bei der Eigenheimzulage – Banken geben, die Kreditnehmern die gesamte Summe vorfinanzieren, so dass schon direkt beim Kauf 12.000 Euro pro Kind mehr zur Verfügung stehen. Das kann manchmal das Zünglein an der Waage sein, wenn man vor der Entscheidung für eine Immobilie steht“, fährt Neumann fort. Allerdings sieht Neumann dadurch auch die Gefahr, dass die Nachfrage nach Immobilien nochmals steigern wird.“

Nichts konkretes zur Grunderwerbsteuer

Skeptisch blick Neumann auch auf das Thema Grundsteuer. Ob Familien von einem Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer profitieren können, ist weiterhin unklar. Im Koalitionsvertrag finde sich lediglich der Vermerk, dass diese Maßnahme geprüft wird.

Marginale Auswirkungen von KfW-Bürgschaften

Ein weiterer Beschluss der GroKo sieht vor, eine Bürgschaft der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für Eigenheimbesitzer zu etablieren. Damit soll ein Teil des Kaufpreises bzw. der Baukosten für einen Zeitraum von 20 Jahren abgesichert werden. Die konkreten Auswirkungen dieser Subvention beschreibt Neumann folgendermaßen: „Letztlich werden sich durch diesen Beschluss nicht mehr Menschen ein Eigenheim leisten können. Banken rechnen immer mit einer fiktiven Annuität zwischen 6 und 7%, die der Darlehensnehmer tragen können muss. Daran ändert eine zusätzliche Absicherung nichts.“ Der einzige Vorteil sei, dass sich durch die Bürgschaft für einen bestimmten Anteil an den Kosten das Risiko für den Darlehensgeber reduziert und der Käufer im Zweifel eine günstigere Kondition erhält.

Tropfen auf den heißen Stein

In der Schaffung einer Grundsteuer C, der Etablierung eines „Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen“ oder auch dem Ausbau des sozialen Wohnungsbaus sieht Neumann einen Tropfen auf den heißen Stein. Mit dieser „Wohnraumoffensive“ in Höhe von 2 Mrd. Euro ließen gerade einmal einige tausend Wohnungen bauen. Insgesamt würden in Deutschland jedoch runde 1 Mio. Einheiten fehlen.

Nur auf den ersten Blick positiv

„Die im Koalitionsvertrag aufgeführten Maßnahmen führen zu einer gesteigerten Nachfrage. Subventionen wie das Baukindergeld oder die KfW-Bürgschaft sorgen dafür, dass mehr Menschen über eine eigene Immobilie nachdenken“, fasst Neuman die geplanten Maßnahmen der neuen Großen Koalition zusammen. Da Deutschland in Sachen Wohneigentum Schlusslicht im europäischen Vergleich ist, könne man zwar meinen, das sei positiv. „Aber es gibt ein äußerst gewichtiges Gegenargument. Die Koalition sorgt für mehr Nachfrage, aber nicht für eine relevante Angebotssteigerung. Deshalb werden die Immobilienpreise weiter steigen. Und diese Entwicklung betrifft dann alle – auch diejenigen, die nicht von den Subventionen profitieren können.“ Er bezweifelt daher, dass unter dem Strich mehr Menschen ins eigene Zuhause gebracht werden. (mh)





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