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„Bestellerprinzip, Widerrufsbelehrung & Co. werden die Spreu vom Weizen trennen“
04. März 2016

„Bestellerprinzip, Widerrufsbelehrung & Co. werden die Spreu vom Weizen trennen“

Bestellerprinzip, Digitalisierung, miserables Image, Regulierungswahn, u.v.m. – was bedeutet all das für die mittelständische Immobilienwirtschaft? ImmoCompact fragt nach bei der Basis: den Immobilienmaklern. Diesmal gibt Michael Pellinghoff, Geschäftführer von Pell-Rich Immobilien aus Karlsruhe, Antworten auf fünf aktuelle Branchenfragen.


Herr Pellinghoff, was zeichnet einen starken und zukunftsfähigen Immobilienmakler aus?

Meines Erachtens Anpassungsfähigkeit und Fleiß. Neben erworbener Berufserfahrung und vorhandenen Ortskenntnissen sehe ich die Leidenschaft für das tägliche Tun als einen wichtigen Baustein. Dem vorausgehend bilden eine abgeschlossene Ausbildung zum Immobilienkaufmann oder ein Studium in der Immobilienwirtschaft den Grundstein. Regelmäßige Weiterbildungen mit Zusatzqualifikationen, wie beispielsweise Marktwertermittler/Gutachter oder Energieberater vermitteln das nötige Fachwissen, um Kunden und Auftraggeber am Markt zu überzeugen.

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Gleichbleibend starke Leistungen und Innovationen wie die 360°-Objektbesichtigungen, Außenaufnahmen durch eine Drohne oder das Objekttracking, also die Übersicht der Vermarktungsaktivitäten für Auftraggeber, bringen Schwung in den Markt und heben ein Unternehmen von den meisten Mitbewerbern ab.

Ist die Digitalisierung eher Chance oder Gefahr für die mittelständische Immobilienwirtschaft?

Eine Chance! Der Makler muss mit der Zeit gehen. Neuerungen in der Branche, wie das Bestellerprinzip, die Widerrufsbelehrung oder das immer weiter anwachsende Internetmarketing, stellen den Makler vor neue Herausforderungen, die meines Erachtens mit Weitblick gesehen, die Spreu vom Weizen trennen werden. Eine gute und SEO-optimierte Homepage ist genauso wichtig wie Branchenbucheinträge und Online-Kundenbewertungen.

Die meisten Leute heutzutage gehen nicht zum Makler ihres Vertrauens den sie schon jahrelang kennen, sondern informieren sich online wer gute Bewertungen hat, Referenzen und ggfs. ähnliche Objekte bereits anbietet. Und dann wird ein Leistungsvergleich durchgeführt.

Wie stark belasten Sie die ständig neuen Gesetze und Regulierungen?

Von einer Belastung kann hier keine Rede sein, eher vor neuen Aufgaben: Unsere heutige Gesellschaft und vor allem die Branche ist in einem ständigen Wandel.

Von Vorteil ist es sicherlich, sich frühzeitig mit politischen Themen der Immobilienbranche zu beschäftigen, um rechtzeitig auf neue Situationen reagieren zu können. Oftmals reagieren auch schon die Maklersoftwarehersteller auf neue Gesetze und Anforderungen mit Softwarelösungen. Durch eine schnelle Anpassung an neue Regulierungen und ausführlichen Erläuterungen dazu, wie beispielsweiße in einem Online-Blog, kann man wiederum beim eigenen Endkunden punkten und Verständnis schaffen. Neuerungen wie das Bestellerprinzip – das kein „echtes“ ist – stellen den Makler ebenfalls vor neue Aufgaben: Hier muss das Marketingkonzept an die Bedürfnisse des Vermieters angepasst werden um diesen von den eigenen Leistungen und dem Mehrwert durch einen Makler zu überzeugen.

Wie lässt sich der schlechte Ruf der Immobilienmakler verbessern?

Durch eine hohe Transparenz und eine saubere Arbeitsweise gegenüber den Kunden, sprich Interessenten wie Anbietern. Auf Grund der großen Anzahl an verschiedenen Immobilienunternehmen ist es für Kunden oft schwierig, den passenden Makler zu finden. Da es für den Beruf des Immobilienmaklers bislang keine wirkliche Regulierung gibt, macht hier eine Einführung des Gesetzgebers – ähnlich wie in der Versicherungsbranche bereits geschehen – meines Erachtens Sinn. Als guter und serviceorientierter Immobilienmakler ist es dann unsere Pflicht, die Kunden, die durch andere Makler bereits „vorgeschädigt“ sind von einer gegenteiligen Meinung zu überzeugen anhand der eigenen Leistungen und Transparenz.

Welche Immobilien sind derzeit besonders interessant?

Aufgrund des demografischen Wandels in Deutschland wird die Singlewohnung mit einer Größenordnung von 1-3 Zimmer und das barrierefreie Wohnen immer mehr nachgefragt sein. Durch die aktuelle Niedrigzinsphase sind auch Kapitalanlageimmobilien sehr stark nachgefragt, hier vor allem 1-2 Zimmerwohnungen, die sich schnell – und bezogen auf den m²-Preis auch teurer -vermieten lassen. (mh)

Sie wollen auch an unserer neuen Interview-Serie teilnehmen? Dann fordern Sie einfach unter redaktion@immocompact.de den Fragenkatalog an und suchen sich daraus ihre fünf Fragen aus.



Kommentare

von Jana Uckelmann ... am 09.03.2016 um 13:14 Uhr
Den Beiträgen der "Immobilienprofis" zum dem o.g. Thema, die in den letzten Newslettern erschienen sind, kann ichkeinesfalls zustimmen. Wie kann man behaupten, daß diese gesetzlichen Regulierungen die Immobilienbranche nicht negativ beeinflussen?! Auch wenn man nicht hauptsächlich mit Vermietung zu tun hat, so ist der administrative Aufwand enorm. Es kostet Zeit und Geld, Kunden aufzuklären, Verzichtserklärungen einzuholen, alles zu archivieren etc. Allein die Widerrufsbelehrung auf die Immobilienbranche in einer solcher Art und Weise anzuwenden (Deutschland übrigens als einziges EU-Land!) zeugt von Unwissen und Dummheit. Sogar Kunden, die Rechtsanwälte sind, verstehen nicht, was der gesetzliche Text eigentlich aussagen soll. In der Art und Weise, wie es praktiziert wird, macht es überhaupt keinen Sinn. Es ist deutlich sichtbar, daß derjenige, der diesen Schwachsinn auf den Weg gebracht hat, einen enormen Schaden in der Wirtschaft angerichtet hat und hat auf dem Ministerposten nichts verloren. Was qualifiziert überhaupt diese Person, solch einen Posten zu bekleiden? Wenn es keine Ahnung von der Wirtschaft ist, dann ist er überqualifiziert. Ich wundere mich nur, wie Immobilienprofis so etwas zustimmen können und von "sich anpassen" sprechen. Auch muß nicht alles, was in Berlin, weitab von der Realität, produziert wird, einfach hingenommen werden. Minister sollen dem Volk dienen ("ministrare") und nicht ihm schaden.

von Dieter Kolbow (... am 10.03.2016 um 10:45 Uhr
Vielen Dank Frau Uckelmann, mir gehen diese vielen Wird-schon-werden-Kommentare auch mächtig auf die Nerven. Vielleicht machen sich ein paar Kollegen ernsthafte Gedanken darum, wie dieses Geschäft überhaupt unter Beachtung aller Gesetzesvorgaben noch ausgeübt werden kann. Ich habe vorsorglich begonnen über eine Verlagerung meiner Firma ins Ausland nachzudenken.



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